Groggy.

Ich steh am Geldautomaten. Nur einer der fünf anderen Automaten ist noch belegt. Der Mann neben mir nimmt sein Geld und geht. Währenddessen wechselt er ein paar belanglose Worte mit seinem wartenden Kumpel.

Ich steh am Geldautomaten. Mach alles wie immer. Es ist automatisiert. Seit Jahren Routine. Selbst auf die Anzeige des momentanen Kontostandes bin ich gefasst.

Ein Wort. Eine Redewendung. Ein Gesprächsfetzen.

Ohnmacht. Wut. Verzweiflung. Wut. Unverständnis. Lähmung. Wut. Resignation.

Der Automatismus läuft weiter. Ich verlasse die Bank. Überhole beide Protagonisten und setze meinen Weg fort. Mitten auf der Kreuzung stoppe ich. Es ist grün. Für mich. Gut so. Schnell zurück auf den Gehweg. Während ich all meine Taschen nach dem abgehobenen Geld durchsuche, gerate ich in Panik. Soweit ist es also. Mein Kopf. Meine Gedanken haben mich voll im Griff.

Ich sprinte zurück zur Bank. Kein Geld da. Kein Mensch da. Durchatmen. Die Kontrolle erlangen.

Der Umstand, dass ich Geld brauche, hat sich nicht geändert. Die Automatismen greifen wieder. Bevor ich die Bank verlasse, wende ich mich an einen der Angestellten. Ich bekomme das Geld wieder. In ein paar Tagen. Ich bin erleichtert. Verständlich.

„Womit waren sie denn so beschäftigt, dass Sie Ihr Geld vergessen konnten?“

Ich war tief in mir mit mir selbst beschäftigt.

Julian Carax

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