Ein Jahr nach Hanau.

Ich hoffe eigentlich, dass ich zur Überschrift nichts weiter erläutern muss – aber alle, die nicht wissen, wovon ich rede, schauen bitte hier, OK?

Seit diesem *erneuten* rechtsterroristischen Hassverbrechen in unserem Land ist ein Jahr vergangen und gefühlt hat sich nichts verändert. Die Weiße Mehrheitsgesellschaft vertritt weiterhin zu Hauf die Ansicht, People of Colour/Schwarze mögen sich in Folge von rassistischer Gewalt „doch einfach nicht so anstellen“. 😡

Ich, der ich einer dieser Gewaltbetroffenen bin, „muss“ bis heute (= 21. Jahrhundert! In einem aufgeklärt-demokratischen Rechtsstaat!) über Weiße Privilegien, Alltagsrassismus und unmögliche Geisteshaltungen hinsichtlich von Saucenbetitelungen aufklären. 

Rostock-Lichtenhagen war offensichtlich nicht Mahnung genug.

Der NSU war offensichtlich nicht Mahnung genug.

Hanau war offensichtlich nicht Mahnung genug.

Und weltweit gewinnen rechtsextreme (Terror-) Gruppen in Volk und Politik weiter an Zulauf, etliche davon direkt in unseren Städten und Nachbarschaften. 💀

Es ist grässlich, noch immer Sprüche wie: „Rassismus? Gibt es doch gar nicht mehr in Deutschland!“ gedrückt zu kriegen, wenn man gerade eben rassistische Gewalt erlebt hat.

Es ist grässlich, dabei nahezu immer vergeblich auf Unterstützung und Rückhalt zu hoffen, sogar wenn man vertrauensvoll darum bittet.

Und es ist grässlich, zu wissen, dass diese Mordanschläge ebenso gut *etliche* von Herrn Carax‘ und meinen KollegInnen, von unseren superlieben FreundInnen und letztlich mich selbst hätten treffen können

Ah. Ich bin müde. Und mitgenommen, und wütend, und 🐙. Daher geh ich jetzt den Rest meiner heißen Mandelschokolade trinken und rolle mich bei Wolf ein. Die Erinnerungen lassen gerade auch nichts Anderes zu. 

Kommentare und Antworten in Bälde. 

Kommt ihr gut ins Wochenende und bleibt linkspolitisch, solidarisch, laut. 🐱

VVN

P.S.: das Foto ist ein Sommerfundstück von Herrn Carax, das ich hier gern und passenderweise nochmals verwende. Und wer sich jetzt ernsthaft am: „Wir gedenken AN“ stört, der nehme bitte diese Kalmare 🐙🐙🐙 und ziehe weiter.

18 Kommentare zu „Ein Jahr nach Hanau.

    1. Dankeschön, ein erholsamer Abend war es immerhin. Das ist besser als nichts. 😊

      Ansonsten: offensichtlich denken wir beide/wir alle so, mit dem: „nicht erläutern müssen“. Ich verlink bloß trotzdem immer massig Sekundärliteratur. Denn besser, man gibt Anderen die Direktchance, sich zu belesen, als loszulegen mit: „WIE KANNST DU DAS NICHT WISSEN-“

      So groß der Impuls vielleicht sein mag: Veränderung entsteht imho immer eher durch Aufklärung und „Miteinander“… 🌸

      VVN

      Gefällt 1 Person

    1. Jaaa, es ist traurig. Ich wünsch mir so sehr, dass wir eines *baldigen!* Tages aufhören können, solche Listen zu schreiben. Auch, dass meine FreundInnen und ich selbst nie auf einer solchen Liste landen, natürlich. 😟

      Wir lesen voneinander. Ihr Lieben! VVN

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  1. Da muss man nicht mehr viel schreiben oder sagen, sondern sich nur für die „Oberen“ schämen. ;-( Es war aber klar, dass die nicht hinreichende Aufklärung der NSU-Sache (Anm.: Offiziell gegenber dem „Ausland“ gab man sich ja sehr aufklärerisch!) solche weiteren Dinge nach sich ziehen wird. Dies ist auch noch nicht das Letzte gewesen, da bin ich mir ziemlich sicher. LG Michael

    Gefällt 3 Personen

    1. Leider denke ich auch so. Natürlich wird es nicht der letzte rechtsterroristische (Mord-)Anschlag bei uns in Deutschland sein, lieber Michael… Bloß darf man eben nicht aufhören, zu kämpfen und zu hoffen- 😟

      Darüber, dass die „Aufklärung“ der NSU-Morde ein Witz war, brauchen wir übrigens nicht zu reden- Ebenso wie die Entnazifizierung. Ich meine… Bitteschön. 😒

      Lass es dir gutgehen! VVN

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  2. Das Rassismus überall ist, haben wir zu unserem Schrecken im Schneechaos festgestellt. In dem Auto, das sich vor unserem Haus festgefahren hatte, sassen zwei Männer, die am Anfang mit ihren Familien im Asylantenheim gelebt hatten. Als wir mit Schnee schaufeln beschäftigt waren, fragte ein Nachbar was wir da machen würden. Nachdem die beiden befreit waren dann: „Kanntet ihr die Ausländer?“
    Er hatte sich das Spiel die ganze Zeit angesehen und nix gemacht. Als allerdings später zwei blonde Frauen vom Pflegedienst liegen blieben war er der Mann der Tat und auch ein paar andere Nachbarn eilten zur Hilfe.
    Auch wenn Harnau krass ist – das Problem wohnt schon auf der gegenüberliegenden Strassenseite 😱
    Wobei ich jetzt nicht behaupten möchte immer alles richtig zu machen 🤔
    Ich wünsche dir einen schönen Tag 🌈
    Liebe Grüße 😘
    Monika

    Gefällt 2 Personen

    1. Du versuchst aber immerhin, „immer alles richtig zu machen“, liebe Monika – und das ist schon unglaublich viel wert! 🌸

      Und: „das Problem wohnt schon auf der gegenüberliegenden Strassenseite“ ist eine der besten Beschreibungen für den gesamtgesellschaftlich herrschenden Rassismusmist. Leider Gottes braucht man *nie* weit gucken, um ihn zu entdecken. 😟

      Toll, dass ihr den beiden Männern aber geholfen habt! Ehrlich. 🌞

      Alles Liebe nochmal! VVN

      Gefällt 1 Person

  3. Es fällt mir schwer, das zu liken, da es so unendlich traurig ist. Wir haben das Jahr 2021 und wir haben das Gefühl, dass sich Fühlen und Denken in eine völlig falsche Richtung bewegen. Ist es Gleichgültigkeit, Egoismus?
    R.I.P. und Mitgefühl für alle Opfer täglicher rassistischer Gewalt.

    Gefällt 2 Personen

    1. „Wir haben das Jahr 2021 und wir haben das Gefühl, dass sich Fühlen und Denken in eine völlig falsche Richtung bewegen.“

      Hej, ihr Lieben, dieses Gefühl teile ich… Obwohl z.B. der Wahlsieg von Joe Biden und Kamala Harris bislang etwas rein Gutes war, und die Zusammenstellung ihres Kabinetts genauso- 🙂

       Aber es läuft eben etwas grundlegend schief. Riesig, *RIESIG* schief.

      Eurem Mann und euch auch heute nur das Beste: VVN

      Gefällt 1 Person

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