Twitch vs TV.

LinkWarnung: dieser Beitrag kommt nicht ohne eine gewisse Anzahl an Querverweisen aus. Nehmt euch ein klein wenig Zeit zum Lesen. 

Ich habe Leuten beim Mario-Kart-Spielen zugeschaut und hatte den Spaß meines Lebens. Mit Amerikanern war ich auf einem Fluss angeln. Inklusive BootsFahrt. Mit einem HipHopJournalisten habe ich mir Neuerscheinungen angehört, drei jungen Männern beim Betrinken zugesehen, bis es im Chat eskaliert ist, und mir natürlich auch PokemonOpenings anguckt. Einer mega interessanten Unterhaltung über den gesellschaftlichen Einfluss von Instagram & TikTok konnte ich ebenfalls beiwohnen.

All das hat Twitch möglich gemacht. 

Ich werde immer mehr zum Fan und TV läuft noch seltener als vorher. Wenn Twitch als Aktie gehandelt werden würde – ich würde sofort investieren. Noch stärker als im vergangenen Dezember bin ich davon überzeugt, dass die Zukunft bei Twitch liegt. 

Die Zahlen und die Empfindungen der Streamer bestätigen das. Hier findet ihr einen Artikel über den derzeit erfolgreichsten Streamer Deutschlands: „Trymacs“. Der hat in einem seiner Streams eine Wette abgeschlossen. Bis 2031 knackt der erste Streamer die Marke von 1.000.000 Subs (kostenpflichtige Abonnements). Ich gehe bei dieser Wette voll mit.

Natürlich erreicht das Fernsehen mehr Leute. Es ist eine Institution. Twitch gibt es gerade mal neun Jahre. Das Internet nur geringfügig länger. Aber wir stehen am Anfang einer Entwicklung. Vor allem die Generationen nach mir werden sie tragen. Bloß die Jahrgänge vor mir: immer noch die KernZielGruppe des TV. 

Über die Infrastruktur und die finanziellen Möglichkeiten brauchen wir auch nicht sprechen. Während bei Twitch überwiegend PrivatPersonen Inhalte produzieren, steht hinter dem Fernsehen eine ganze Industrie.

RTL hat die Zeichen der Zeit erkannt und Knossi, der König des Internets, hatte schon immer einen Traum. Jetzt moderiert er zweimal die Woche eine LateNightShow bei ihnen. Produziert von seinem großen Idol Stefan Raab. Internet und Fernsehen gehen Hand in Hand. Eine typische Win-Win-Situation.

Die Motivation von RTL ist offensichtlich: Angriff auf eine ans Internet verlorene ZielGruppe.
Gefördert durch den Fakt, dass man die Show vorher bereits bei TVNOW sehen kann. Das ist das Video-on-Demand Angebot von denen. Clever sind sie ja. In der Theorie. 

In der Praxis sieht ein guter Start anders aus. Die EinschaltQuoten sinken rapide. Knossi bekommt den ShitStorm seines Lebens. 

Das Experiment scheint gescheitert. Aber warum?

Während im TV fast alles aufgesetzt wirkt. Gescripted ist. Witze einstudiert sind.

Sind Twitch und das Internet anders. Vielfältiger. Ehrlicher. Authentischer. Emotionaler. Interaktiver. 

Da prallen Welten aufeinander. Sachen, die sich jahrzehntelang bewährten, funktionieren für die “Generation Internet” nicht mehr. Das Netz ermöglicht Freiheiten, die das Fernsehen nie bieten konnte.

Im folgenden Video seht ihr, wie der YouTuber und Streamer: „unsympathischTV“ auf ein Statement von Knossi zu ebendieser Thematik reagiert. Einige Aspekte habe ich schon in diesem Beitrag aufgegriffen. Schaut es euch trotzdem an. Es verdeutlicht Vieles.

Fürs Erste sollte geklärt sein, dass Fernsehen und Twitch bzw. das Internet Konkurrenten bleiben. Die Ansätze sind zu unterschiedlich. Dennoch schließe ich erfolgreiche Kooperationen nicht aus. Vielleicht sollte sich eine TVProduktion mal zu Twitch bewegen und nicht andersherum. 

Wer von euch gleich um 18:00 Uhr Zeit hat kann einmal hier vorbei hören. Ich werde mir den Talk auf jeden Fall geben. Wird bestimmt sehr interessant.

Julian Carax

16 Kommentare zu „Twitch vs TV.

  1. Als TVNow noch RTL Now hieß, hat sich RTL ja auch gleich die Domain „RTL Nau“ gesichert. 🙂

    So gut wie alles, was ins Fernsehen übersiedelt, kommt dort weniger gut als abseits des TV. Im Gegensatz zu Dir machen sich viele Leute – was nicht schlimm ist – nur wenige Gedanken darüber, wie Fernsehen entsteht.

    Viel Spaß beim Talk gleich,
    beste Grüße!

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    1. Der Talk war klasse und hat ganz verschieden Bereiche von Twitch beleuchtet. Das hat Spaß gemacht.

      FernsehInhalte im Internet oder InternetInhalte im TV scheinen halt wirklich nicht zu funktionieren. Klar gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen den ZielGruppen.
      Trotzdem verstehe ich es nicht so ganz. Stell die richtigen Leute and die richtigen Orte und das könnte was Großes werden. Die Erfahrung, die Kontakte und Mittel, welche die TVBranche hat, sind enorm. Wenn die mal aus ihrer Bubble rauskommen würden. 🤔

      Ein schönes WochenEnde ist gewünscht.

      JCarax

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      1. Das ist wirklich ein vielschichtiges Thema und die unterschiedlichen Zielgruppen sind dabei nur ein kleines Thema.
        Aber wenn Du mal einen Einblick bekommen hast, wie Fernsehen gemacht wird: es ist unglaublich unspontan einerseits und soll immer weniger kosten. Und bei den vielen Leuten, die mitsprechen, kann nix Gescheites am Ende rauskommen.

        Internet ist hingegen Freistil. – Insofern prallen da Welten aufeinander.
        Und was man auch nicht vergessen darf: im Fernsehen zu sein, macht was mit den Leuten und sie geben sich ganz anders als auf ihrer vorherigen Plattform.
        Habe schon Leute erlebt, die plötzlich die alten Kollegen nicht mehr grüßen, da sie nun Fernsehmacher sind. Eine Kollegin ging am Tag nach ihrer ersten Sendung ganz gemächlich stolzierend den Mittelgang im Marktkauf runter – aber niemand hat applaudiert. Brüller!

        Dir auch ein schönes Wochenende.

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  2. Lieber Julian, ich bin noch am Anfang und beim Pokémon Opening hängen geblieben. Das Video ist super gemacht und sehr interessant.
    Mein Kurzer schaut auch so einen „TheZeroOfTime“ bei Youtube. Er kann da auch stundenlang zuschauen, wie der die Packs öffnet.
    Bei ihm ist die Sammelleidenschaft aber noch vorrangig und mit seinen Buddys tauscht er. So grob 1200 Karten hat er (hab ihn gerade mal gefragt) Er sammelt die jetzt seit er 6 ist. (also 3 Jahre)
    Nach dem Abendessen les ich weiter 🙂

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  3. Ich denke, dass TV früher oder später aussterben und das Internet immer neuere Formen findet wird zu interagieren. Twitch bei Gamern kann ich ja noch verstehen, aber wenn sich Leute beim Zuhause rumhängen filmen und die Zuschauer fürs Zuschauen bezahlen, finde ich eigenartig. Und man muss sich auch noch vormachen, ein Großteil ist S*x

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    1. Bei dem ersten Punkt gebe ich dir absolut Recht. Das sehe ich genauso. Obwohl Twitch nicht nur auf Gamer begrenzt ist. Mittlerweile entwickelt sich da so viel. Man findet eigentlich zu fast allen Themen jemanden der streamt.

      Auf Twitch ist niemand gezwungen etwas zu bezahlen. Das ist alles freiwillig. Das ist wichtig zu wissen. Dennoch ist der Punkt mit dem Spenden und Abonnieren ein valider KritikPunkt. Vor allem da, bin ich auf die Entwicklung gepsannt.

      Was das Thema Sex angeht, ist Twitch sehr strikt. Man darf z.B. keine nackten Füße in die Kamera halten. Also fällt das eher raus. In Sachen Nacktheit hat Twitch jetzt auch nochmal die Regelungen verstärkt. Dafür gibt es andere Portale. 😉

      Ob StreamerInnen mit sexuellen Handlungen, Freizügigkeit oder ähnlichen Dingen kokettieren oder diese für Aufmerksamkeit nutzen, kann ich (noch) nicht beurteilen. Da ich dieses Thema noh aus anderen BlickWinkeln betrachten muss.

      Liebe Grüße

      JCarax

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      1. Ich stimme Dir auch zu.😁 Mein Punkt war nur, dass ich manche Strömungen als eigenartig empfunden habe. Bspw. dass sich Arbeitslose beim Zuhauseherumsitzen filmen und andere für diese Art von Beobachtungen zahlen.
        Trotzdem halte ich die Entwicklung für interessant und bin offen. Die Sex Andeutung war auch nicht wertend gemeint. Es könnte durchaus sein, dass ich nicht mehr auf dem neuesten Stand bin.
        Viele Grüße, B.

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  4. Ich kann mit deinem Text leider nichts anfangen, weil ich weder weiß, was twitch ist, noch wer Knossi ist. Und Pokémon kenne ich auch nur vom HörenSagen.
    Wenn ich aber mal ganz viel Zeit habe, werde ich das googeln! 🤷🏻‍♀️👩‍💻👩‍🏫
    Schönen Abend Julian, liebe Grüße Bea 💫🙋🏻‍♀️🌞

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  5. Mal schauen, ob ich irgendwann auch mal bei Twitch lande… Ich bin ja eher noch Generation TV, habe die Glotze aber bereits 2012 abgeschafft. 😉 Online-Nachrichtenportale der großen Zeitungsredaktionen sind mein TV-Ersatz. Und seit einer Weile zunehmend auch Twitter.

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      1. Twitter ist ein hochtoxischer Dauergrabenkrieg – eine einzige Allegorie auf die Spaltung der Bevölkerung… 😱 Aber dennoch interessant! 😎 Bei sich überschlagenden Ereignissen und komplexen Nachrichtenlagen (etwa Amokläufen, Sturm aufs Kapitol) bekommt man dort am schnellsten einen halbwegs realistischen Eindruck von der Situation… Außerdem kann man alternativ dort natürlich auch noch Gartentips und Katzenbabyfotos abonnieren, damit man nicht vollkommen verzweifelt… 😉

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