Fürsorgliches und Wichtiges in Sachen „Ukrainehilfe“.

Ich hätte nicht gedacht, dass es einmal zu dem Punkt käme, an dem ich mich öffentlich dermaßen kritisch zu einer Aktion meines Mitbloggers äußern würde, aber heute ist der Tag, weil es für mich dabei tatsächlich um „das große Ganze“ geht.

Kurz gesagt: seitdem wir gestern Herrn Carax‘ „Mitten in Europa“-Beitrag gelesen haben, sind der Grillplattenfreund und ich deshalb (!) nur noch am kollektiven Kopfschütteln. 🤔

Dabei will ich überhaupt nicht bestreiten, dass es natürlich *gut gemeint* gewesen ist, privat und „von einem Bekannten organisiert“ mit drei Autos zur polnisch-ukrainischen Grenze zu fahren, um dort Hilfsgüter abzugeben.

Allerdings ging es bereits schon vor Wochen durch die Medien, dass man eben dies *NICHT* (mehr) tun solle, und auch große Hilfsorganisationen bitten zunehmend und sehr ausdrücklich darum, so nicht zu agieren. 😞

Empfehlenswert dazu: „Stundenlanger Stau an Grenze Polen-Ukraine: Sachspenden zu verteilen dauert“.

„Kubiak (= Anm.: Unternehmer Christian Kubiak, der schon einen Konvoi organisierte) appelliert an alle, die helfen wollen, sich nicht ohne Plan ins Auto zu setzen und an die Grenze zu fahren. Man brauche Kontakte vor Ort, die die Hilfsgüter annehmen können.“

JUP.

Weil uns unser Kontakt an der polnisch-ukrainischen Grenze tagesaktuell informierte und „zurückpfiff“, entschieden der Grillplattenfreund, seine Vertraute und ich uns ja letztlich auch, zunächst abzuwarten und fuhren im Endeffekt sogar in eine komplett andere Region- 😮

Die Organisation „Mission Lifeline“ hat ebenfalls einen sehr klaren Leitfaden, in dem es heißt:

„Wir haben Verständnis dafür, dass ihr alle so schnell wie möglich helfen wollt und euch ohnmächtig fühlt. Es bringt jedoch niemandem etwas, wenn unzählige Autos unkoordiniert in einen ohnehin stark frequentierten Bereich fahren. Das würde die Infrastruktur vor Ort noch mehr überlasten.“

Das Deutsche Rote Kreuz sagt dazu außerdem:

„Derzeit benötigen wir Geldspenden und bitten von Sachspenden abzusehen: Der große Vorteil von Geldspenden ist, dass die bedachte Organisation damit die Möglichkeit hat, die Verwendung der Mittel flexibel sich ändernden Verhältnissen und einer sich verändernden Bedarfslage in den betroffenen Gebieten anzupassen. Was in sich sehr schnell ändernden Situationen wie aktuell in der Ukraine, absolut erforderlich ist. …

Spontane, nicht abgestimmte Lieferungen mit Sachspenden füllen Lagerhäuser, binden Transport- und Sortierkapazitäten. Sie helfen leider nicht, sie behindern die humanitäre Arbeit vor Ort.“

Also. BITTE.

Solltet ihr da draußen dieser Tage noch eine Tour an die ukrainische Grenze planen, tut das eben *möglichst* in direkter Kooperation mit einer offiziellen Hilfsorganisation, die euch ganz konkrete Anweisungen und ganz konkrete Aufträge gibt, sodass ihr wirklich sämtliche Energien und Ressourcen sinnvoll einsetzen könnt! 🌸

Schaut, dass *möglichst* eure gesamte Fahrt von der jeweiligen Organisation überwacht wird, dass ihr abgesichert seid und dass eure Aktion von übergeordneter Stelle GENAU SO gewünscht und angefordert ist.

„Vielleicht waren wir aber auch am ‚falschen‘ Ort.“, heißt es rückblickend in Herrn Carax‘ Beitrag.

Auch zu diesem Problem: tretet bitte *möglichst* vorher in einen Austausch mit Kontakten im Ankunftsland, die euch stets sagen können, ob ihr tatsächlich dorthin losfahren solltet – oder, ob ihr nicht sogar an einem völlig anderen Grenzort, unter gänzlich anderer Leitung, weitaus effektiver Unterstützung leisten würdet!

„Vielleicht war es dem geschuldet, dass wir an einem Samstag gefahren sind und mega viele Menschen unterwegs waren.“, meint Herr Carax weiter.

Und dies gilt es, siehe oben, *möglichst* genauso zu vermeiden.

Daher muss und werde ich mich bei zukünftigen Aktionen im Vorfeld noch besser informieren.“

JA. 😟

Ansonsten endet die Gesamtsache exakt so „ernüchternd“, chaotisch und random, wie es das letztlich hier tat.

Einzig und allein, dass drei „Freunde einer Arbeitskollegin“ auf der Rückfahrt mitgenommen werden konnten, freut mich richtig.

Der Rest, wie geschildert… Nope. Persönlich kann ich das in der Form nicht stützen, weil es kontraproduktiv und *SO* wahrlich nicht gewollt ist.

Vorher gut zu recherchieren und mit Hilfsorganisationen und/oder konkreten regionalen Kontakten zusammenzuarbeiten, stellt einen fundamentalen Teil bei solchen Hilfsaktionen dar – und ich bitte jeden von euch hiermit zutiefst, genau das zu tun. 🐱

(Außerdem möchte ich loswerden, dass ich das im besagten Beitrag vorkommende Statement bezüglich der Polen *absolut gar nicht* feiere:

„Dafür beschleicht uns das Gefühl, dass sich an den Spenden dann doch einige Polen bedienen. Ein komischer Beigeschmack.“

Meines Erachtens trägt diese nicht einmal fundierte Nebenbemerkung höchstens dazu bei, dass jedes negative Klischee zu „den Polen“ bedient wird bis zum Himmel – und ist zudem in Sachen „Unterstützung für die Ukraine“ eher abschreckend und zu 0% zielführend.)

SEUFZ. 🐙

Und jetzt, wo ich mir all das von der Seele geschrieben habe, noch ein paar „schönere“ Sachen zum Wolf und mir.

Gestern gingen wir zusammen einkaufen und ich konnte auf dem Weg weitere, wunderbare Bilder machen.

Eine ganz besondere Farbgebung von Vegetation und Wasser. Dunkelrot und Petrol, würde ich meinen.
Unser Weg durch’s Tal. Auch sehr eindrucksvoll, obwohl hier eindeutig „Grau“ im Bild vorherrscht. 🙂

Am Abend hatten wir Wolfs berühmtes Champignonrisotto mit zusätzlichem Speck, und sahen die Serie „Krieg der Welten“ weiter, weil von „Picard“ momentan bloß eine Folge pro Woche erscheint (= soll heißen: damit sind wir seit meiner Ankunft am Montag längst durch).

In „Krieg der Welten“ gibt es einen jungen Mann, der sich in einem halbzerstörten Krankenhaus aufopferungsvoll und mit aufrichtiger Fürsorge um dort zurückgelassene Säuglinge kümmert. 🌞

„Ob sich damals, als ich als Baby verlassen im Krankenhaus lag, auch jemand so um mich gekümmert hat?“, überlegte ich laut.

(Die Antwort darauf lautet höchstwahrscheinlich: „NEIN“. Dass ich mich in einem Entwicklungsland. in den 80er Jahren. ohne Eltern. da befand, lässt diese Annahme zu, zumal ich kurz darauf von Gott weiß wem gegen gruselig viel Geld nach Deutschland überführt wurde.)

„Ach, V.“, sagte der Wolf daraufhin. „JETZT kümmere ich mich ja um dich!“ 💖

Das fand ich sehr lieb und zweifelsohne ähnlich fürsorglich ihm. Auch machen solche Momente und solche Zusicherungen jede Menge von dem Unsinn wieder wett, den er ab und an verzapft.

Außerdem hat er mir eben abermals einen bereits gezuckerten Milchkaffee ans Bettchen gebracht, in dem ich seit circa 10:15 (= mit etlichen Chat- und Denkpausen) grummelnd vor mich hin tippe.

Derartige Kleinigkeiten wie mit dem Kaffee, die jedoch „alles andere als selbstverständlich“ sind, bedeuten mir sowieso sau viel.

Bis ganz bald, liebe Leute – und lasst euch nicht ärgern, so wie ich mich heute (= als Hauptadmin, der bei etwas *SO* Wichtigem unbedingt Stellung beziehen sollte) ärgern ließ. 🌸

VVN

P.S.: ich glaube, das ganze Thema (= fragt nach, was die Betroffenen wo und in welcher Form benötigen, anstatt ihnen blindlings mutmaßend auf eigene Faust „irgendwas“ aufzudrücken) liegt mir auch deswegen so am Herzen, weil ich da im Bereich „Opferschutz“ schon *sonstwas* gesehen habe. Bitte informiert euch, wie ihr am Sinnhaftesten helft, ich sag’s nochmal.

10 Kommentare zu „Fürsorgliches und Wichtiges in Sachen „Ukrainehilfe“.

  1. Lieber Valentin.
    Danke für deine Offenheit und auch die klaren Worte. Ich bin an die Sache auf jeden Fall zu naiv rangegangen. Habe anderen Menschen vertraut. Letztendlich habe ich mich für diese Aktion nur als Fahrer gemeldet. Mich im Vorfeld nicht weiter damit beschäftigt. Das ist definitiv mein Fehler gewesen. Darüber habe ich während der Rückfahrt und auch in den Tagen danach intensiv nachgedacht. Und somit bereits meine Lehren aus dieser Aktion gezogen. Um es beim nächsten Mal besser zu machen. Schließlich habe ich mit solchen Sachen bisher noch keinerlei Erfahrungen gemacht!
    Auch die Formulierung mit den Polen war im Nachgang sicherlich ein wenig unglücklich. Wenngleich ich dabei bleibe, dass sich Menschen an den Sachen bedient haben, die eindeutig keine Flüchtlinge waren. Das kann ich mit Gewissheit sagen. Ich wollte mit dieser Äußerung definitiv nicht die polnischen Menschen verunglimpfen oder stereotypisieren! Der Zeiten liegen hinter mir. Diese Bemerkung sollte lediglich zum Ausdruck bringen, dass ich das Gefühl hatte, dass nicht alles da ankommt wo es ankommen sollte. Was ich da bereits nicht gut fand. Und mich ein wenig an der Sinnhaftigkeit zweifeln ließ genau diesen Ort anzusteuern.
    JCarax

    Gefällt 4 Personen

    1. Ich wünschte, es wäre von dir von Vornherein so neutral ausgedrückt worden, wie in diesem Kommentar: nämlich so, dass du einfach „das Gefühl hattest, dass (leider) nicht alles da ankommt, wo es ankommen sollte“. 😮

      Noch dringlicher wünschte ich aber, du/ihr hättet euch die Mühe gemacht, durch vernünftige Recherche und Kooperation zu gewährleisten, dass eben *DAS* nicht passiert – und dass all eure Spenden und Hilfsgüter zielsicher angelangt exakt das umfasst hätten, was von offiziellen Organisationen aktuell angefordert wird.

      Genauso mit allem anderen. 🤔

      Ich freue mich für die drei Personen, die ihr nach Deutschland fahren konntet, aber die „Menschen, die seit Tagen und Nächten unterwegs sind. Müde. Durchgefroren. Hungrig.“, DIE GIBT ES SCHLIEßLICH ZU HAUF, sechs davon saßen beim Grillplattenfreund, der Vertrauten und mir im Van, und eure drei (!) Autos hätten mit der richtigen Vorbereitung ebenfalls voll besetzt sein können.

      Mit eben diesen „Müden, Durchgefrorenen, Hungrigen“. Weißt du, was ich meine. 😾

      Wie ich dir heute Morgen bereits privat sagte, macht mich das/dein Bericht super wütend.

      Eure drei MitfahrerInnen zählen, selbstverständlich. Doch der Rest war (= so, wie du es schildertest) ziemlich wahlloses Verballern von Zeit, Energie, Material und Benzin… Für ein Ergebnis, das dich selber überwiegend unzufrieden zurücklässt. 😟

      Bitte, bitte zukünftig nie mehr so. Du musst auf dem Gebiet der Flüchtlingshilfe kein Profi wie der Grillplattenfreund sein, *niemand muss das*, um solche Fehler zu vermeiden.

      VVN

      P.S.: das mit dem Benzin war kein dummer Witz. Nicht vor dem Hintergrund der politischen Lage. Wir sind auch mit dem Argument extra zunächst nicht losgefahren.

      Gefällt 2 Personen

    1. Wir sind sogar voll dabei, unsere Zeit zu genießen, bester bb. 😊

      Momentan nutze ich ein kurzes Telefonat wolfseits dafür, um hier rasch zu antworten… Gleich folgt aber *in aller Ruhe* die zweite Hälfte eines ausgiebigen Abendessens und danach noch mehr Alienserie- 😅

      Herzliche Grüße zurück! VVN

      Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Valentin,
    ich freue mich darüber das du nach dem ganzen Stress mit der Flüchtlingshilfe jetzt eine kleine Auszeit an der Seite von Wolf genießen kannst.
    Ich wünsche euch einen schönen Tag.
    Liebe Grüße
    Trude

    Gefällt 1 Person

    1. Dankeschön, liebe Trude. 😺

      Das Wiedersehen mit Wolf war wirklich wichtig. Denn wer weiß, was die Zukunft bringt und wohin es uns/ihn/mich *noch* verschlägt. Auch vor dem Hintergrund des Ukrainekrieges. Weitere Unterstützung für Geflüchtete ist ja fest geplant! 💖

      Mach du dir einen großartigen Samstag und weiter so… Ich bin stolz auf dich. 🌞

      VVN

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