Warten mit Kaffee und Steckerlfisch.

Gestern wären der Grillplattenfreund, seine Vertraute und ich fast auf Tour nach Rumänien gewesen.

Betonung auf: „fast“ und „wären gewesen“. 😮

Dabei begann der gestrige Tag damit, dass ich vom hektisch und *mega laut* in mein Zimmer eilenden Grillplattenfreund gegen circa 09:00 morgens aus einem kurzen Schlummer gerissen wurde.

VALENTIN! EINSATZ! Schaffst du es, in zehn Minuten fertig zu sein?!!“

„… Nei-en…“ 😱

(Denn: seien wir ehrlich. Selbst völlig normal funktionierende Menschen mit völlig normalen Körperhygienestandards, die nicht absurd hoch sind, wie zum Beispiel meine, packen es seltenst, „in zehn Minuten fertig zu sein“.

Wenn „Zähneputzen plus Duschen plus Haarewaschen plus Eincremen plus Sich ganz frisch und funktional einkleiden plus Haare trocknen“ noch komplett auf dem Programm steht, wird das seeehr knapp! Sogar, wenn man sich dabei das Rasieren und Frisieren klemmt. 🤔)

„OK!“, meinte der Grillplattenfreund dann. „Aber ich rufe gerade schonmal unsere Teamkameradin an und stelle sie hier auf Lautsprecher, damit wir beide mithören können, was eigentlich los ist!“

„Mach das.“

Letztlich hatte seine Vertraute keine fünf Minuten zuvor von einem Münchener Verein – der zu den „anderen Initiativen und NGOs“ gehört, die uns als Team registrierten 😺 – eine offizielle Anfrage bekommen.

Konkret lautete die Bitte an uns, eine junge Frau von der rumänisch-ukrainischen Grenze abzuholen (= und zu ihrer Familie zu fahren). Pro Weg sollten wir circa 18, 19 Stunden einplanen, und uns innerlich darauf einstellen, dass sehr spontan noch weitere Geflüchtete hinzukommen könnten.

„Das kriegen wir hin!“, entschieden wir im Trio – danach sprintete ich ins Badezimmer.

Doch kaum, dass ich dort nahezu fertig war (= und zwar im Eiltempo nach 20 Minuten 😆), klopfte der Grillplattenfreund:

„Entwarnung, V.! Die Frau möchte bereits *spätestens* heute Abend aus Rumänien raus sein, was wir selbst mit größter Eile nicht ermöglichen könnten! Das wussten die vom Verein bloß eben noch nicht. Will sagen – wir müssen doch nicht umgehend los!

Aber: sie haben wohl nachher einen zweiten Auftrag für uns und stellen uns nun auch einen Van zur Verfügung. Den soll ich da gleich entgegennehmen! Mach du dich jetzt also ganz in Ruhe fertig und ich hole den Van vom Verein!“

„Und um was geht es bei dieser zweiten Fahrt?“

„Höchstwahrscheinlich sollen wir da ebenfalls nach Rumänien!“

Den Van erhielten wir danach recht rasch – von einem Ukrainer überbracht, der den Verein dieser Tage bei Erledigungen und Botengängen unterstützt, um „in München nicht durchzudrehen“. 😟

Der besagte zweite Auftrag wurde gegen frühen Nachmittag jedoch *auch* wieder zurückgenommen.

„Da braucht man echt eine hohe Frustrationstoleranz.“, stellte der Grillplattenfreund fest. „Aber Krieg ist halt Chaos, und Absagen gehören dazu.“

„Ich weiß. Für das Hin und Her kann niemand etwas. Warten wir einfach weiter. Das ist völlig OK.“

„Klar ist es OK.“

„Und überhaupt geht es ja nicht um uns.“

„Richtig.“

Den Rest des Tages verbrachten wir daraufhin damit, der Partnerin des Grillplattenfreundes im Haushalt zu helfen – Küche putzen, Wäsche waschen, Aufräumen, einfach: Entlasten 😊 – weiter mit Wolf, der (Weihnachts-)Wahlfamilie und unser aller FreundInnen zu kommunizieren, die am Stand der Ereignisse natürlich höchst interessiert waren, und STECKERLFISCH zu essen.

MAUZ. 🐱

Später abends saßen wir dann alle gemeinsam im Wohnzimmer, arbeiteten, lasen, oder hörten Podcast, *und* teilten eine Packung Shortbread.

Von Rewe. Ist echt gut!

So auf engstem Raum (= aber jeder seinen eigenen Business verfolgend 😉) war es total gemütlich, doch wo wir uns am heutigen Abend befinden, weiß wieder nur das Universum.

Der Van vom Münchener Verein steht weiterhin vor unserer Türe, wir sind unverändert auf Abruf und noch immer könnte sekündlich *ALLES (TM)* geschehen.

Ah.

Abwarten und Kaffee trinken.

Alles Gute und Liebe an euch da draußen! 🌸

VVN

P.S.: falls sich jemand über das sehr saloppe „Krieg ist halt Chaos“ wundert – der Grillplattenfreund hat damit (= leider) viel praktische Erfahrung gesammelt. 😮

P.P.S.: im Rahmen der Fahrtvorbereitung habe ich gestern auch wichtige Adressen und Telefonnummern in dieses kleine Notizbuch übertragen. Ein Move, der längst überfällig war.

6 Kommentare zu „Warten mit Kaffee und Steckerlfisch.

  1. Shortbread mag ich auch gerne, hatten unlängst auch welche gekauft. Wenn ich/wir davon esse(n), werd ich an Dich denken. 🙂
    Alles Gute Euch für Euer Unterfangen. Und genau, nicht stressen lassen, denn, wichtig ist, dass man sich selber wohlfühlt, bevor man anderen helfen kann.

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    1. Tausend Dank, du liebe Jacqueline. Ich werde es bestimmt merken, wenn ihr dann Shortbread essend in Gedanken bei mir seid. 💖

      Für deinen Philipp, Merlin, Franzi, Lucky und dich einen wunderbar-sonnigen Freitag… Und bis bestimmt bald! 🌞

      VVN

      Gefällt 1 Person

    1. Natürlich würde ich das gerne, bester bb, aber das hängt absolut davon ab, wie viel Zeit und Kraft dafür unterwegs bleibt… Ich verspreche also lieber nichts, aber auf jeden Fall werde ich *im Nachhinein* berichten! 😊

      Hab einen schönen Abend! VVN

      Gefällt 1 Person

      1. Ja klar, lieber Valentin, nur, wenn sich Gelegenheit dazu bietet. Die Rettung der Geflüchteten hat selbstredend Vorrang. Vielleicht hast Du ja die Möglichkeit, ein paar Impressionen mit dem Smartphone aufzuzeichnen und dann später hier einzustellen?

        Dir ebenso einen schönen Abend. Und falls die Warterei ein Ende haben sollte – paßt auf Euch auf! Liebe Grüße!

        Gefällt 1 Person

      2. Impressionen der Strecke einstellen: auf jeden Fall.

        Nur „in Echtzeit“ sehe ich da eben kaum eine Chance, zumal das eine *extrem falsche* Prioritätensetzung wäre. 😱

        Übrigens hat die Warterei nun ein Ende. Sonntag geht es los. 🌸

        VVN

        Gefällt 2 Personen

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