Unser Land und die Armut.

Durch meine Arbeit in der wunderbaren (…) Gastronomie habe ich bereits die verschiedensten Spül- und Reinigungskräfte kennengelernt, die hinter den Kulissen all die Jobs machen, die sonst kaum jemand machen will.

Viele dieser Kollegen waren bereits verhältnismäßig alt, Ende 40 und aufwärts, andere jünger, aber auch ohne weiterführende Perspektiven.

Dort, wo ich derzeit arbeite, gibt es seit Kurzem eine der Jüngeren. Weil ich immer der Letzte bin, der das Restaurant verlässt (= Thekenschlussdienst), sehe ich die Frau jede Nacht. Mehr als einmal bin ich ihr anfangs dabei begegnet, wie sie das alte Brot aß, das die Gäste nicht mehr wollten und wie sie Reste von stehengelassenem (wirklich ranzigem) Kakao für sich selbst beiseite stellte.

Inzwischen lassen wir ihr, wann immer möglich, frisches Essen zubereiten, stellen ihr Fruchtsaft ihrer Wahl bereit und dazu öfters auch neuen Kakao- Damit sie nicht aus einem Gefühl der Not auf die Überbleibsel zurückgreifen muss.

Darüber freut sie sich unglaublich, hätte aber im Leben nicht von sich aus danach gefragt. Vielleicht zu schüchtern, zu bescheiden, zu beschämt, oder dergleichen mehr- Und vielleicht auch alles zusammen.

Allerdings, und das ist der eigentliche Punkt, leben wir in einem freiheitlich-demokratischen, ziemlich wohlhabenden und sozialen Rechtsstaat- (!)

Wenn sich also *hier* jemand dazu gezwungen sieht, im Verborgenen aus Mülleimern zu essen (worunter „Containern“ NICHT fällt, da: kein Zwang) dann läuft etwas ganz arg schief. Wir als Mitangestellte tun, was wir können, aber es geht mir trotzdem nicht aus dem Kopf.

VVN

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