So fängt es an.

Er sitzt am Tisch. Spricht Deutsch. Mit ganz leichtem hessischen Akzent. Sagt „Bitte“ und „Danke“. Ist freundlich. Lächelt. Trotzdem würde er auf dem Arier-Index visuell im unteren Drittel landen. Schwarze Haare. Schwarzer Bart. Die Goldkette blitzt.

Er ordert eine Cola und einen Flammkuchen. Elsässer Art.

„Das ist mit Schinkenspeck. Das ist Schwein. Essen Sie das?!“

„Ja, sonst würde ich es ja nicht bestellen.“

Er antwortet ruhig. Diese Unterhaltung hat er anscheinend nicht zum ersten Mal geführt. Das Weltbild der Kellnerin allerdings bekommt gerade Risse. Man erkennt es an ihrem Blick.

Kurz darauf bringt eine zweite Bedienung sein Essen.

„Hallo, hier ist Ihr Elsässer Flammkuchen.“

„Dankeschön.“

„Oh, ich glaube, das ist das falsche Essen für Sie… Darin ist Schwein. Das essen Sie ja nicht.“

„Doch, genau das habe ich bestellt. Danke.“

Er lächelt müde, als sich die Dame vom Tisch entfernt. Zu oft hat er das erlebt. Zu oft wird er es noch erleben.

Julian Carax

Ein Kommentar zu „So fängt es an.

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