Psychische Krankheiten, Solidarität und Liebe.

Liebe Freunde. Drei Dinge beschäftigen mich. Schauen wir mal, ob ich den Bogen zwischen ihnen geschlagen bekomme. 🤔

1.) gab es kürzlich eine Situation, in der mir ein Bekannter sagte: „Du KANNST gar keine depressive Verstimmung haben. Immerhin hast du vorhin das Gespräch zu mir gesucht. Dass du es nicht geschafft hast aufzuräumen, war vielleicht doch eher Faulheit.“

Mh-hm. Nicht nur, dass ich es abgrundtief hasse, wenn mir ein unwissender Außenstehender ungefragt erklären möchte, wer ich bin und unter welchen Problemen ich angeblich leide (oder nicht) – die Reaktion hat mir ein weiteres Mal vor Augen geführt, wie unaufgeklärt die meisten Menschen auch heute noch bezüglich psychischer Krankheiten sind-

Als sich der Suizid von Robert Enke jüngst zum zehnten Mal jährte, titelten einige Leitmedien sinngemäß: „10 Jahre und die Gesellschaft hat kaum dazugelernt.“ Das lässt sich leider direkt unterschreiben. Gut, dass es Blogs wie DER VOLPE gibt…! 😊

(In Ergänzung dazu gleich der Link zur Robert-Enke-Stiftung – und ich werde weitere Aufklärungs- und Hilfsadressen posten. In näherer Zukunft.)

2.) war dieser Bekannte ausgerechnet ein Freund von Herrn Carax. 😒 – Darauf angesprochen wollte Herr Carax wiederum IN MIR Verständnis wecken: „Es haben eben nicht alle Leute dermaßen viel Kenntnis auf dem Feld – oder eine Geschichte wie die deine! Und er hat das Ganze letztlich auch auf Grund von seinen Erfahrungen mit dem Thema gesagt, mit dem Wissen, das er hat… Vielleicht waren seine Berührungspunkte mit Depressionen ja bisher genau so (= jemand sucht dann eben *nicht* das Gespräch)!“

Dennoch. Ich musste umgehend dagegenhalten: „ABER WIESO FRAGT MAN NICHT ERSTMAL NACH? Schlichtweg zu sagen, du hast diese oder jene Krankheit nicht, ist saugefährlich- Das erstickt jeden Dialog im Keim: besonders, wenn der Betroffene eventuell gerade erst gewagt hat, sich zu öffnen… Bla. 😅“ – Aber:

worauf ich hier eigentlich abziele – Herr Carax und ich kommen aus unterschiedlichen Welten. Carlie schrieb neulich etwas zu der Thematik und unsere Unterhaltung wurde zu umfangreich für die Kommentarleiste, daher ist dies mein versprochener Blogeintrag:

Herr Carax‘ und meine unterschiedliche Weltsicht macht sich u.A. auch dadurch bemerkbar, dass ich von Menschen oftmals erwarte, !gefälligst! sensibilisiert zu sein – für (häusliche) Gewalt, Missbrauch, Essstörungen, psychische Krankheiten, Mobbing, Diskriminierung, Rassismus, Traumafolgen… Wohingegen er überwiegend versucht, alle Seiten zu sehen, und sehr viel nachsichtiger ist – sehr viel gütiger. 🙄

3.) mag ich seine Nachsicht, seine Güte und seine Herzenswärme grundsätzlich sehr! Ohne all das wäre er nicht mein Boss! In Konfliktsituationen mit Dritten lege ich ihm das: „Betrachten wir alle Seiten“ jedoch oft als mangelnde Solidarität aus… Weil Solidarität so wichtig ist, und Loyalität noch viel mehr!
Auf solchen Gebieten lernen wir also seit dem Tag unserer ersten Begegnung voneinander. 🙂 – Ich versuche langsam, langsam, selber nachsichtiger und gütiger zu sein. Nicht mehr umgehend das Schlimmste zu erwarten. Eher zu verzeihen. Weicher zu sein, auf gewisse Weise (und trotzdem fest in meinen Standpunkten).

Und Herr Carax kennt inzwischen „meine“ Welt. Das Dunkle. Ungeachtet dessen steht er zu mir, deckt mir auf seine Weise den Rücken und sagt, er liebt mich. Weil mein Vertrauen in ihn so groß ist, glaube ich ihm  – und liebe ihn auch. „Ein Fels in der Brandung und ein ruhiger Rückzugsort“, Carlie. Daran (wenn auch nicht nur daran) dachte ich, als ich dir schrieb, ich hätte Beides zu schätzen gelernt. ❤

VVN

3 Kommentare zu „Psychische Krankheiten, Solidarität und Liebe.

  1. Danke fürs Verlinken. 🙂

    Und ja, dieser Fels in der Brandung. Den will ich gar nicht klein reden, weil es ganz schön selten ist, dass diese Felsen wirklich so zuverlässig sind, wie sie für einen aussehen, oder: dass Menschen, gerade in Beziehungen, solches Vertrauen verdient haben und einem Halt geben können, ohne sich selbst dabei untreu zu werden oder die Balance in der Beziehung zu kippen… Kurz: ich will keinen Felsen, dem ich nicht auch Fels sein darf, aber dann isses schön.

    Und als Nachtrag zu unserer Unterhaltung: Ich meine mit der Ähnlichkeit wohl sowas wie Seelenverwandtschaft, habe aber noch nicht beantwortet, wie die nun zu Felsen in der Brandung steht.

    Gefällt 1 Person

    1. Gerne doch! Und: hm, sehr wahrscheinlich ist beiderseits noch immer alles Mögliche unbeantwortet (= immens komplexes Thema 😅).

      Auch das, was ich hier angesprochen habe, ist natürlich nur eine kleine Facette dessen, wie sich fehlende Ähnlichkeit auf Herrn Carax‘ und meine Bindung auswirkt… Aber inzwischen denke ich eben nicht mehr, dass fehlende Ähnlichkeit zwingend *ein Mangel* sein muss! Weil wir uns selbst bei weltanschaulichen Reibereien gegenseitig zu bereichern versuchen-

      Hast du eine (eigene) Definition von Seelenverwandtschaft? Wie stellst du dir dein Ideal vor? Kannst du das überhaupt genau sagen? 🙂

      VVN

      Gefällt 1 Person

      1. Als ich Du meine Vorstellung eines Seelenverwandten geschildert habe, hat er mich ausgelacht und gesagt, ich will mit mir selber zusammen sein. Es wäre die totale Übereinstimmung, die ich mir irgendwie immer noch schön vorstelle, aber ich genieße auch die Reibung mit Du. Womöglich also wirklich mehr Bereicherung als Mangel 😊
        War so ein Mangel für dich nie ein Thema, nur für Julian? Du hat ihn auch…

        Liebe Grüße!

        Gefällt 1 Person

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