„Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken.“ *

Letzter SpielTag der Champions League GruppenPhase. Traditionell geht es für einige Teams noch um enorm viel. Sportlich und finanziell. Spannung ist garantiert.

In Barcelona duellieren sich die beiden Halbgötter Messi und Ronaldo. Wobei schnell zu sehen ist, wer dem GottStatus näher ist. Julian Nagelsmann beweist zeitgleich, was er für ein überragender Trainer ist. Eine perfekt eingestellte Leipziger Mannschaft zeigt Manchester klar die Grenzen auf.

Schluss mit Fußball. Ist doch nicht wichtig. Wir schalten nach Paris, wo PSG gegen Istanbul spielt.

Die Fakten:

Es gibt ein Foul. Der Schiedsrichter pfeift und gibt gelb. Zwischenrufe und Unmutsbekundungen von der Istanbuler Bank sind zu vernehmen.

Der Schiedsrichter fragt den vierten Offiziellen, wer sich von der Istanbuler Bank so im Ton vergriffen hat. Als Antwort bekommt er, dass es der Negru war. Das bedeutet so viel wie Bimbo oder Neger.

Der AssistenzCoach Webo sieht rot. Wegen unsportlichen Verhaltens.

Mein Rumänisch ist leider nicht so gut, dass ich jetzt genauso sagen kann, ob das stimmt oder nicht. Vor allem, weil es so scheint, als gäbe es einen Unterschied zwischen den Worten „Negro“ und „Negru“.

Darum geht es aber in keinster Weise. Geht es nie.

Denn der besagte Spieler of Colour fühlte sich durch diese Worte rassistisch beleidigt. Das zählt. Das darf nicht sein. Soll nicht sein.

Was folgte, waren Diskussionen in mindestens drei Sprachen, welche darin endeten, dass das Spiel abgebrochen wurde. Weil die Spieler nicht mit diesen Schiedsrichtern weiterspielen wollten. Zeichen setzen.

Der gestrige Abend hat für mich zwei Dinge aufgezeigt:

ich bin mir ziemlich sicher, dass besagte Spieler of Colour vor 10 bis 15 Jahren nicht den Mund aufgemacht hätten. Wahrscheinlich hätten sie es runtergeschluckt und es unter den tausend Begegnungen mit AlltagsRassismus verbucht. Zum Glück sind wir, was das angeht, schon weiter. Es gibt Solidarität. Nicht nur aus der eigenen Mannschaft. Auch von den Gegnern. So wie gestern. Oder wenn es richtig „gut“ läuft, auch darüber hinaus. Beispiele gibt es dafür (leider) mittlerweile genug.**

So positiv ich diese Entwicklung auch empfinde, so sehr darf man auch nicht verschweigen, dass diese Zeichen der Solidarität immer nur eine Reaktion sind. Auf regelmäßige Vorkommnisse, welche das Gefühl von Fortschritt gleich wieder zunichte machen.

Der vierte Offizielle war sich keiner Schuld bewusst. Für ihn gehört dieses Wort zum alltäglichen SprachGebrauch. Für ihn ist es normal, einen Menschen anhand seiner HautFarbe zu definieren.

Um meinen Punkt deutlich zu machen, lasse ich Demba Ba für mich sprechen:

Die Sprachen sind zu alt, um den gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen, vor allem in den letzten 20 Jahren, gerecht zu werden. Natürlich werden mittlerweile ganze Bücher umgeschrieben mit dem Ziel, den Rassismus aus der Sprache zu vertreiben. Was ein Anfang ist.

Für mich zu vergleichen mit dem Gendern im Streben nach Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann. Nur, wenn die Sprache angepasst wird, wird ein Bewusstsein entstehen, welches im Endeffekt auf richtiges Handeln zielt. Menschliches Handeln. Befreit von Relikten der Vergangenheit.

BLM

Julian Carax

* Samuel Johnson

** Ich bin ein weißer und männlicher Europäer. Rassismus habe ich noch nie erfahren. In diesem Text gebe ich meine persönlichen Empfindungen und Beobachtungen wieder.

10 Kommentare zu „„Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken.“ *

  1. Ich weiß, ich werde nicht auf Herzchen undGegenliebe stoßen mit diesem Kommentar.
    Ich sage ganz ganz klar vorab, dass ich Rassismus und Ausgrenzung jeder Art absolut ablehne!

    Aber ich finde gerade das „Gendern“ der Begriffe unglaublich schwierig. Ich finde es schwierig, so Texte mit tausend Sternchen, die versuchen, alle Möglichkeiten zu inkludieren, zu lesen.
    Ich weiß nicht, wo das hinführen soll, zu sprechen und zu schreiben, das sich wirklich alle gemeint und nicht ausgegrenzt fühlen. Ich habe damit meine Probleme.
    Sowohl beim Lesen als auch selbst so zu schreiben.

    Die „alte Literatur umschreiben“ ist ein Anfang?
    Hmmm ja. Aber ich sehe kein größeres Problem in der Beschreibung „Zigeunerschnitzel“ zum Beispiel. Das bedeutet eben nicht, dass ich einen Zigeuner esse und zum Kannibalen mutiere.
    ich sehe selbst auch einen großen Unterschied zwischen den Begriffen „Nigger“ und „Neger“ zum Beispiel in den Astrid Lindgren Büchern.
    Nigger ist definitiv ein Schimpfwort.
    Neger denn auch? Muss man wirklich jedes Wort auf die Goldwaage legen? Und die Bücher aus einer anderen Zeit revidieren? Hat Astrid Lindgren je gedacht, dass sie jemanden damit beschimpfen will?
    Muss manfraucisdisjedercouleur wirklich in jedem Wort berücksichtigt werden und wie spricht man das alles in Zukunft aus?
    Ich finde das schwierig. Denn aus meiner Sicht, gehören alle dazu.
    Ich käme ja nicht mal auf die Idee, irgendjemanden auszugrenzen oder zu beleidigen. Im Sinne für den Angeklagten.
    Das Bewusstsein ist das Problem und die Ausgrenzung an sich, die Beleidigung und die Inakzeptanz der Diversität.
    Ich fürchte die ganze Zeit daran wird auch die komplizierteste Neuerfindung der Sprache nichts ändern.
    Was die Menschen im Herzen tragen ist wichtig. Daherreden kann jeder.
    Ich schließe in jedwede Sprache alle in mein Herz ein. Egal welche Farbe, Sprache, woher sie kommen, wohin sie gehen.
    um es auf den Punkt zu bringen: Arschloch bleibt Arschloch. Egal wer, egal wie, egal wie sich jemand und worüber man sich definiert. Egal woher.
    Die haben in meinem Herz nichts zu suchen. Alle anderen sind herzlichst willkommen.

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    1. Liebe Lunis,

      vielen Dank für deine Sicht der Dinge.

      Als erstes muss ich sagen, dass ich es toll finde wie du die Menschen siehst. Beziehungsweise, dass du niemanden ausschließt. „Arschloch bleibt Arschloch“, da haste verdammt Recht mit. Leider denken und empfinden die Wenigsten so.

      Es geht bei dieser SprachDiskussion vor allem darum wie sich Menschen mit dem Gesagten fühlen. Die Sinti und Roma fühlen sich diskriminiert durch die Bezeichnung „Zigeunerschnitzel“. (https://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Zigeuner-Sauce-soll-wegen-Diskriminierung-umbenannt-werden).

      Daher soll und muss das geändert werden. Niemand soll und darf sich ausgeschlossen oder diskriminiert fühlen. Daher ist es auch kein Argument, dass Astrid Lindgren es bestimmt nicht rassistisch gemeint hat damals. So lange sich Menschen durch Sprache diskriminiert oder minder fühlen, muss diese angepasst werden. Dabei ist es schon als positive Entwicklung zu sehen, dass wir auf diesen Missstand aufmerksam gemacht werden. Es gibt genug Menschen, welche Sprache und deren Einfluss nicht hinterfragen oder kennen. Die übernehmen das. Generation für Generation. Und nichts ändert sich. Da kommen wir ins Spiel. Wir müssen. Denn Sprache schafft Bewusstsein!

      Ich gebe dir Recht, wenn du sagst, dass das Gendern schwierig zu lesen ist. Das sehe ich genauso. Schreiben übrigens auch. Spielt aber keine Rolle. Nur weil etwas immer so war, heißt es nicht, dass wir es nicht ändern können. Am Ende gewöhnt sich der Mensch an alles. 🙂

      Ich mag die Diskussionen mit dir.

      Ich wünsche dir einen schönen Start ins WochenEnde.

      JCarax

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      1. Danke für deine Antwort.
        Also was bei mir das Problem ist: Ich verstehe nicht mal, wie man sich mit dem Begriff „Zigeunerschnitzelsoße“ diskriminiert fühlen kann.
        Das Wort Zigeuner finde ich an sich schon schwieriger für eine Menschengruppe. Aber auch nur, weil sie eben negativ konnotiert ist und damit irgendwie einher geht, dass das unehrliche Menschen sind zB.
        Aber wäre ich ein „Zigeuner“ würde mir der Begriff an sich mehr aufstoßen als das Zigeunerschnitzel. 🤷🏻‍♀️
        Ich finde nicht unbedingt, dass Sprache Bewusstsein schafft. Das Bewusstsein der Menschen sollte viel lieber dahin gehen, dass man Menschen nicht diskriminiert und abwertet. Und ja, vielleicht beginnt das bei Worten aber Taten sind viel viel wichtiger!
        Und das fängt da an, wo Menschen wie Floyd auf der Straße zu Tode kommen. Ha wie schön formuliert. 😤
        Oder wo man Kindern beibringen muss, wie sie sich zu verhalten haben, damit sie nicht von Polizisten beim Fangen Spielen erschossen werden, weil jemand glaubt, sie haben gestohlen und fliehen.
        Ich glaube, wie sich die Menschen durch das Gesagte fühlen hat weniger mit den Worten zu tun, als damit, wie sie behandelt worden sind, während Menschen diese Ausdrücke verwendet haben. So entstand eine Kombination. das Problem gäbe es doch gar nicht wenn die Menschen sich einfach und grundsätzlich respektieren würden egal woher sie kommen, welche „Farbe“ sie haben, wen sie lieben oder nicht lieben.
        Verstehst du, was wir meinen?

        Wir hatten kürzlich einen Taxifahrer, der ist Türke. Er erzählte: Er verliebte sich in ein deutsches Mädel. Ihre Eltern wollten ihn nicht, brachen den Kontakt zu ihr auch ab.
        Er sagt ok … er versteht das….es gibt Türken, die nutzen deutsche Mädchen aus….

        Ja neee. Es gibt auch Deutsche, die deutsche Mädchen und Frauen ausnutzen. Oder vergewaltigen oder schlagen. Das ist doch alles keine Frage der Nationalität verdammt!
        Wie kann man nur so blöd sein? Und genau deswegen verstehe ich das alles nur geringfügig.

        Ja, ich verstehe, dass Sprache verletzend sein kann. Aber wie es erst dazu kommt, dass ein Wort ein Schimpfwort wird….
        das sagt mehr über Menschen aus als es jedes Wort könnte…..

        Gefällt 1 Person

  2. This is the other great side of the beautiful game, no matter how subtle racism rears its head, and the players and stakeholders are pushing boundaries. It’s simple matter for, the language of the fourth official should not be tolerated, the man has a name. The whole of the football fraternity will be discussing again and i say go for it, raise the level of the debate causing one whole nation do linguistic introspection. No matter which way the pendulum swings, Romanians will be discussing.

    Leipzig though!!!!!🐒

    Gefällt 1 Person

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