Weitere Eindrücke von unserem Einsatz.

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag bereits gestern geposted haben, aber dann kam mir das Universum mit noch viel Wichtigerem in die Quere. 🙂

In welcher Form genau erzähle ich in einem späteren Blogartikel – die zwei essentiellsten Informationen für den Moment sind erstmal:

der Grillplattenfreund, seine Vertraute und ich fanden gestern wohlbehalten den Weg zurück von der slowakisch-ukrainischen Grenze

• Und wir konnten auf unserer langen Fahrt sechs geflüchtete Personen und ein kleines Hündchen mit nach München bringen. 🌞

Ab Start der Mission am Montagvormittag habe ich auch eine überschaubare Anzahl weiterer Fotos geschossen – manche davon, bevor unsere ukrainischen MitfahrerInnen bei uns eintrafen, und manche, als sich zwischendurch auf der Strecke kleine Pausen vom „Verpflegen und da sein“ auftaten.

Aufnahmen der Geflüchteten in unserem Van, NAHaufnahmen von Menschenansammlungen an der Grenze und Bilder von sehr persönlichen, „rührenden Szenen“ (= Anführungsstriche, weil: absichtlich plakativ ausgedrückt 😇) gibt es dabei aber wohlgemerkt *NICHT*. Weder jetzt hier bei WordPress, noch privat auf meinem Smartphone.

So fundamental und wichtig Fotografien von Krieg, Flucht und daraus resultierendem Leid sind – siehe Alan Kurdi, oder siehe das Titelbild der New York Times, welches Lynsey Addario kürzlich von einer auf der Flucht getöteten ukrainischen Familie machte…

Ich, als unterstützende Privatperson, wollte meine Kamera vor Ort *fürwahr nicht* direkt auf (einzelne) Leute halten. Abgesehen davon, dass das bei diesem Einsatz zu 0% meine Aufgabe war, versteht das aus allen vorstellbaren Motiven hoffentlich sofort jede/r. 🤔

So weit, so gut.

Fotovorbemerkung damit abgeschlossen.

Dies war ein kleiner Platz, an dem wir zuallererst hielten, um uns im Grenzort zu orientieren. Links vom Bildausschnitt standen Krankenwagen und ein großes medizinisches Versorgungszelt, rechts davon auf der Straße wartete Polizei und lotste Geflüchtete weiter.
Blick auf den Grenzort. Nach dem „Orientierungshalt“ fuhren wir doch wieder aus ihm heraus, weil die Hilfsorganisation unseren Konvoi für ein längeres Briefing zu einem dezentralen LKW-Parkplatz bestellte. Das war stimmig, denn dort bestand keine Möglichkeit, die örtlichen Hilfsstrukturen in irgendeiner Form durch unsere herumstehenden Autos zu blockieren. 😉
Hier: die Spitze unseres Konvois. Beim Warten auf die Leute von der Hilfsorganisation lüfteten wir unseren Van noch einmal durch, wobei Corona ab dem Erscheinen der MitarbeiterInnen (= und jenem daraufolgenden Briefing) gefühlt! völlig zur Nebensächlichkeit verkam.
Sehr nahe der Grenze. Im Hintergrund sind Zelte verschiedenster weiterer Hilfsorganisationen zu erkennen.

„Ein eher ruhiger Tag.“, sagte man uns, und so wirkt das Foto tatsächlich auch. Allerdings befanden sich um uns herum dennoch GENUG Menschen: von dem Standpunkt ausgehend, dass jeder vor (diesem) Krieg Geflüchtete *niemals* in diese Lage hätte geraten dürfen. 😟
Die Sicht nach einer 180-Grad-Wende. Unter der Ampel an der Ecke befindet sich abermals unser geparkter Van.

Für circa zehn Minuten konnten wir drei also noch umherlaufen, und dabei u. a. dieses Bild machen. Anschließend trafen die sechs UkrainerInnen und der Minihund ein, und das Begrüßen, Erklären, Wuseln und Verladen begann.
Ein „Nachher-Bild“ unseres Kofferraumes (= in Folge des „Vorher-Bildes“). Sobald wir insgesamt neun Personen plus Tierchen im Wagen hatten, gab es fast keinerlei Stauraum mehr. Dass es gerade so passte, war mehr Glück als Verstand.
Unsere Rückfahrt lief nicht mehr über Ungarn, sondern fast durch die gesamte Slowakei.

Der ältere Mann, der direkt hinter mir saß, fragte: „Which country is it? It’s very beautiful!“, also: „Welches Land ist das? Es ist sehr schön!“, und wir bewunderten alle die Landschaft.

Dass wir in der Gesamtgruppe sogar über viel Alltägliches sprachen (= die kalten Temperaturen, die hübsche Umgebung, Reiseziele, den Hund 🐶) wirkte auf ersten Blick vielleicht wie ein harter Kontrast zum Kriegsgeschehen… War es, näher betrachtet, jedoch kein Stück.
Unser erstes „richtiges“ Rastplatz-Stehpicknick. Etwa 40 Minuten standen wir dort alle im Kreis.

Essen und Trinken zu teilen, miteinander auszuloten, wer was gerne mag – oder auch nicht – und am Schluss zusammen aufzuräumen verband unsere Fahrgemeinschaft: inmitten all der schrecklichen Umstände. Das war währenddessen und im Anschluss *deutlich* zu merken. 😺

Am beliebtesten waren übrigens Schokolade, Mandelhörnchen, Erdnüsse, Pistazien, Käsetoast, Birnen, Orangen, Orangensaft, Cola, Kaffee, Schwarztee und Landjäger. Überhaupt: viel Wurst.

So.

Macht euch, was den nächsten Blogbeitrag betrifft, auf einen *TEXT (TM)* gefasst. Wir haben noch so scheißen-viel zu berichten. 🌸

VVN

P.S.: der Wolf, der im letzten und vorletzten Artikel irgendwie voll zu kurz kam (= Eile und *privater* Gehirnfasching 🐙), schickte mir gestern Nachmittag ein selbstgeschossenes Flufffoto, um mir eine Freude zu machen.

Immens richtiger Zeitpunkt.

😻😻😻

12 Kommentare zu „Weitere Eindrücke von unserem Einsatz.

  1. Toll! Toll! Toll! Anders kann ich es gar nicht ausdrücken. Klasse, Valentin. Die normalen Momente sind doch die, die einem zumindest einen Moment lang Ruhe/Ablenkung geben: Die Landschaft bestaunen, zusammen essen.
    Medienethisch muss ich zu manchen, medial veröffentlichten Fotos sagen, dass es durchaus wichtig ist, das Grauen zu zeigen. Aber sind alle Fotos ethisch notwendig? Ist es noch das reine Informieren der Weltgesellschaft oder Clickbaiting? Nimmt man den Opfern/Hinterbliebenen damit ihre Würde oder gibt man sie ihnen zurück? Möchte man in der Zeitung seine toten Verwandten sehen?
    Deine Fotos und Texte verschaffen mir als begeisterte Leserin deines Blogs einen Überblick. Das begrüße ich sehr! Danke, Valentin.

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  2. Schon gestern war ich sehr beeindruckt von Julian’s sehr interessanten emotionalen Bericht hier über eure Aktionen und heute sag bzw schreib ich nur noch… Hut ab, lieber Valentin und gib bitte gut auf dich acht!!!! 🍀🌍🕊️

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  3. Hallo Valentin,
    ich freue mich das ihr wohlbehalten wieder in München angekommen seid. Und ich finde es ganz toll das ihr das wirklich so durchgezogen habt,
    Macht euch einen schönen Abend und ruht euch aus.
    Liebe Grüße
    Trude

    Gefällt 1 Person

  4. Das einfache, alltägliche, scheinbar banale ist das, was Sicherheit und Frieden im Geist bringt – gerade, wenn man all das hinter sich lassen mußte. Es beruhigt die Seele.
    Schokolade und Wurst bringen Energie für Körper (Zucker) und Geist (Salz). Und Essen allgemein beruhigt – wohl das wichtigste, was alle Beteiligten gerade brauchen.
    Ihr macht das einfach wunderbar. Solche Freunde und Menschen kann man sich nur wünschen. Ihr seid echte Vorbilder!
    Vielen vielen Dank dafür.
    🙏👍💚

    P.s. Bryophyllum (z.B. wenige Tropfen Bryophyllum Argento cultum Rh D3, Homöopathie, unter die Zunge) hilft bei Schockzuständen. Auch wenn man es garnicht merkt, daß man nur noch funktioniert, aber z.B. nicht mehr richtig schlafen kann oder aus seinem Gedankenkarussell nicht mehr rauskommt. („Nebenwirkung“: Man wird möglicherweise sehr müde, weil sich der Schock löst und die Erschöpfung durchkommt.)

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