Nach der Fahrt zur Grenze. Der heutige Stand.

Ich hatte euch einen *TEXT (TM)* angekĂŒndigt und sehr wahrscheinlich wird das nun auch einer. 🌾

Es ist Freitagmorgen, 09:22, und vor einer Woche waren der Grillplattenfreund, seine Vertraute und ich planungsmĂ€ĂŸig noch voll in der RumĂ€nien-EventualitĂ€t verhaftet. Anschließend erfolgte Freitagmittag das ausschlaggebende GesprĂ€ch mit der europaweit vernetzten Hilfsorganisation, wir brachen in Richtung ukrainischer Grenze auf und seitdem tat die Zeit höchst sonderbare Dinge. 😼

Uns im Trio kommt es so vor, als wÀren wir *weitaus* lÀnger unterwegs gewesen, als lediglich Sonntag, Montag, Dienstag.

Gleichzeitig rasten die Tage nach unserer RĂŒckkehr nur so dahin.

Weil ich der Partnerin des Grillplattenfreundes weiterhin im Alltag Arbeiten abnehmen mochte, wo ich nur konnte (= da es mir offenkundig leicht von der Hand geht und es zudem hart asozial wĂ€re, mich nicht einzubringen, wĂ€hrend ich mit ihnen zusammenlebe đŸ€”), verflog die Woche gefĂŒhlt mit den ĂŒblichen Verpflichtungen. Wohnung saugen, KĂŒche putzen, WĂ€sche machen, wieder KĂŒche putzen, AufrĂ€umen, gestern bei einem Rieseneinkauf bei Aldi und DM assistieren, Kaffee kochen

BÄM, NÄCHSTER FREITAG.

Auch bei der Vertrauten und dem Grillplattenfreund höchstselbst ist die Routine hier daheim in MĂŒnchen prompt in aller Pracht wiedergekehrt. Wir alle mĂŒssen, auf unsere Weise, an das AlltĂ€gliche anknĂŒpfen.

Gleichzeitig dĂŒrfte völlig klar sein, dass wir die UkrainerInnen, die mit uns im Van saßen, nicht vergessen haben (= oder vergessen werden). Genausowenig wie ihre Schicksale, soweit wir sie denn berichtet bekamen.

Die Vertraute – die nach dritter ErwĂ€hnung in diesem Text langsam echt einen gescheiteren Blognamen benötigt, und die im Übrigen bereits im September 2015 am MĂŒnchener Hauptbahnhof stand und mithalf 🙂 – nahm z. B. von Montag auf Dienstag sogar noch zwei unserer ukrainischen MitfahrerInnen und das HĂŒndchen bei sich zuhause auf.

Dadurch bedingt passierte Dienstag auch „das noch viel Wichtigere“, das mir „in die Quere kam“.

Der Grillplattenfreund und ich fuhren nĂ€mlich im Taxi erneut zur Wohnung der Vertrauten hin – nicht nur, um die vom Einsatz ĂŒbrig geblieben Sachen aus dem davor geparkten Van zu laden und neu zu sortieren, sondern vor allem, um ihre drei ÜbernachtungsgĂ€ste (= Mutter, Sohn und đŸ¶) zum Zug zu begleiten.

Am HBF angelangt organisierte ihnen die Vertraute zunĂ€chst am DB-Schalter ein fĂŒr UkrainerInnen kostenfreies Sonderticket, weil sie zu Angehörigen in Norddeutschland weiterreisen wollten, dann eine SIM-Karte fĂŒr die Kommunikation hierzulande, und am Ende verabschiedeten wir uns alle von ihnen: in der Gruppe, drinnen im ICE, sobald Mutter und Sohn wirklich ohne Zweifel auf den fĂŒr sie gebuchten SitzplĂ€tzen saßen.

„Das war gerade nochmal krass traurig.“, stellte der Grillplattenfreund danach auf dem RĂŒckweg fest, und seine Vertraute, die sich die gesamte Zeit ĂŒber fĂŒrsorglichst um die drei gekĂŒmmert und sogar extra Zugreiseproviantpakete gemacht hatte, war sowieso sehr mitgenommen. 😟

„Die Mutter hat den ganzen Vormittag lang nur geweint, weil ihr Mann in der Ukraine zum Kampf eingezogen wurde und ihr Sohn und sie einfach nicht wissen, ob sie ihn jemals wiedersehen…“

GeringfĂŒgig besser wurde es erst dann, als sich die Frau plötzlich per Messenger aus dem Zug bei ihr meldete, mit Bild vom HĂŒndchen und fröhlichen Smileys. Ich vermute stark, dass dieser Kontakt bestehen bleibt, zumal wir Mutter, Sohn und Hundi alle sofort gern hatten. 😊

Was in Zukunft aus unseren anderen MitfahrerInnen wird, wollen wir selbstverstĂ€ndlich genauso in Erfahrung bringen (= was insofern OK und nicht irgendwie creepy ist, weil sie *von sich aus* meinten: „Sehen wir uns denn nochmal? Wie können wir euch erreichen?“).

Dieser Prozess ist nebenher im Gange.

Ohnehin, und das muss ich an dieser Stelle einmal klar sagen, sind der Grillplattenfreund, die Vertraute und ich – unsere PartnerInnen inklusive, die uns im Hintergrund verstĂ€ndnisvoll und stolz wie Wolf den RĂŒcken freihalten, damit wir solche mehrtĂ€gigen Aktionen ĂŒberhaupt durchziehen können – jetzt ja nicht „plötzlich aus der Sache raus“!

Schließlich dauert der Krieg weiter an! 😿

Falls von privater Seite, aus unserem Umfeld, nun eine Anfrage eintrudeln sollte (= „Bitte holt schnellstmöglich meine Familie aus Ortschaft XYZ ab!“) dann springen wir sofort zurĂŒck ins Auto.

Besonders, weil eine ukrainische Bekannte des Grillplattenfreundes *SOEBEN* schrieb, das Dorf ihrer Oma sei bebombt worden.

Und falls eine der Initiativen und NGOs nochmals bei uns anruft, dann versuchen wir dem – weil diese Vorbereitung natĂŒrlich einiges mehr an Erledigungen und Logistik erfordert – wenigstens so zeitnah wie möglich nachzukommen. Der Zustand des „Auf Abruf seins“ ist somit nicht verschwunden!

Genauso halte ich es fĂŒr wahrscheinlich, dass wir abermals Nahrungsmittel und Kleidung in Berlin am Lageso unter die wartenden Leute bringen werden, falls sich die grĂ€sslichen ZustĂ€nde von 2015/2016 dort wiederholen sollten – das war damals auch ehrlich schlimm! – oder, dass wir in MĂŒnchen regional mit dem Support weitermachen, oder alles zusammen.

Fest steht, dass diese eine Tour zur ukrainischen Grenze lange nicht das berĂŒhmte Ende der Fahnenstange gewesen sein wird. đŸ˜Ÿ

Was ich dabei ĂŒbrigens ein wenig schade finde, ist die Tatsache, dass ich hier bei WP meiner AnonymitĂ€t halber nicht einfach sagen kann, mit welcher wirklich *höchst* empfehlenswerten Hilfsorganisation wir unterwegs waren, und wie konkret der „traumhafte MĂŒnchener Verein“ heißt, der uns dafĂŒr den Van lieh.

Aber: mit ZusatzĂ€rger durch TĂ€terInnen und Co. an der Backe wĂ€re ich schlichtweg weniger handlungsfĂ€hig als aktuell – daher bleibt die Namensnennung ein No Go – und außerdem sind der Grillplattenfreund und die Vertraute mit Klarnamen wahrlich bekannt genug! 😇

Mit ihrem Einfluss konnten sie mittlerweile einiges an Spenden fĂŒr jenen MĂŒnchener Verein generieren, was wunderbar ist, *UND* die Hilfsorganisation in aller sozialmedialer Öffentlichkeit als kompetente, großartige, vorbildhafte Anlaufstelle nennen…

Da braucht es mich wirklich nicht zwingend, um als Teamteil ebenfalls Internetwerbung zu machen! Ich wĂŒrde gerne, klar: aber das Ding mit meiner AnonymitĂ€t ist, wie es ist.

Zu guter Letzt drei weitere Fotos vom Einsatz, weil ich das GefĂŒhl hatte, dass euch unsere Fahrtberichte sehr interessieren. 🙂

Dieses Bild hat der Grillplattenfreund von der Beifahrerbank aus gemacht, zehn Minuten vor unserer Ankunft im slowakischen Grenzort. Geradeaus sieht man die Ukraine. Es ist lediglich ein unscheinbarer Landstrich mit ein paar BĂ€umen und Bergen, aber natĂŒrlich hatten wir beim Anblick alle ein immenses GefĂŒhl von: „Uh-Oh.“ đŸ˜±
Ein zweites Foto der super idyllisch anmutenden slowakischen Landschaft in der Abendsonne: mit Burg und allem Drum und Dran. Das zu genießen, sogar mit den GeflĂŒchteten zusammen (= sofern sie nicht ausruhten oder gar schliefen) war ein paar Augenblicke lang *tatsĂ€chlich* schön.
Der im letzten Blogbeitrag bereits erwĂ€hnte Ă€ltere Mann vom Sitz hinter mir begutachtete bei unserem Stehpicknick sehr genau den Bestand an Verpflegung. Überrascht und anerkennend fragte er dann: „Ist das THUNFISCH?!“ đŸ˜č

(Wir wollten eben an alles gedacht haben.)

Letztlich stellte sich heraus, dass er in der Ukraine ein Restaurant gehabt hatte und nun unbedingt in Deutschland ein neues eröffnen will.

„Ey, V.!“, sagte der Grillplattenfreund. „Wenn er das wirklich macht, dann gehen wir alle zusammen da hin und *FRESSEN*.“ Jau. Klingt wie ein Plan. Auch im Sinne des o. g. Kontakthaltens. 🌞

Bis morgen, liebe Leute…

Ich werde mich jetzt putzen und dann vermutlich erstmals richtig das Viertel erkunden, in dem ich vor elf Tagen ankam. 🌾

VVN

P.S.: 14:20. Das Schreiben zog sich.

P.P.S.: tausend Dank ĂŒbrigens fĂŒr all euren Zuspruch, eure BestĂ€rkung und das deutliche Mut machen in den Kommentaren – spĂ€testens seit Sonntag. Ich probiere, noch darauf einzugehen, aber vielleicht gelingt es mir nicht vollstĂ€ndig! In dem Fall seht es mir bitte nach. Es gibt weiter arg viel zu tun.

6 Kommentare zu „Nach der Fahrt zur Grenze. Der heutige Stand.

  1. Großartig, lieber Valentin, aber da wiederhole ich mir ja nur…. Und haue uns ruhig Fotos ohne Ende um die Ohren, denn wann kommt man schonmal in diese Region? (Außer Ihr und unter diesen UmstĂ€nden.)
    Viel Spaß bei der Naherkundung im Viertel und liebe GrĂŒĂŸe!

    GefÀllt 1 Person

  2. Liebe Valentin,
    Ich glaube, das nennen von Klarnamen ist garnicht notwendig. Deine bzw. Eure BlogbeitrĂ€ge sind schon ein riesen Ansporn. Und wer wirklich Interesse hat, sich selbst aktiv an der Hilfe zu beteiligen, der wird im Internet auch einen entsprechenden Verein oder auch eine grĂ¶ĂŸere Organisation in seiner NĂ€he finden. Möglichkeiten gibt es viele – und Dein Hinweis, nicht unkoordiniert in blinden Aktionismus auszubrechen, ist dank Deiner detaillierten Beschreibung Eurer Vorbereitung gut rĂŒbergekommen.
    Vielen Dank fĂŒr Deine/Eure MĂŒhen, uns ĂŒber den Lauf Eurer Aktionen auf dem Laufenden zu halten. Deine BeitrĂ€ge zeigen gut, das auch kleine Gesten eine große Wirkung haben können. (Siehe „Thunfisch“ und die Hoffnung auf eine neue Zukunft
)
    👍🙏💚

    GefÀllt 1 Person

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