Acht Jahre ohne Kontakt zu den Pflege“eltern“. Yay.

Nach der fulminanten Partynacht jüngst hing Wolf am Folgemorgen untypisch verpeilt am Küchentisch, trank den circa vierten doppelten Espresso und meinte: „Ah… Ich fühl mich heute SEHR PARALLEL.“

Und ich wusste umgehend, wie es gemeint war. Deshalb musste ich auch laut darüber lachen. Sehr parallel zur Realität. Bravo! Heute bin ICH das. Eigentlich bereits schon seit ein paar Tagen, weil der Juli grundsätzlich Flashback-Central ist und es so viel zu sagen gäbe, dass ich gerade *deshalb* partiell sprachlos bin-

Zum Glück bleibt Wolf konsequent. Seitdem wir aufgestanden sind, laufen ziemlich laut The Prodigy, und nach seiner üblich-eiskalten Dusche (= weiterhin WTF 😱) sprang er aufs Rennrad und tourt nun lustig durch die Gegend. Seine Routine hat was arg Beruhigendes.

Auch werde ich wieder äußerst gesund ernährt (= Wolf hat eine massive Dürüm-mit-Gemüse-Phase*):

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Aber… Ich schweife ab. Mein heutiger Punkt ist, dass ich mit dieser Juliwoche offiziell seit über acht Jahren keinen Kontakt mehr zu meiner Pflege“familie“ habe!, und dass der Kontaktabbruch ein sau-anstrengender Prozess war, beginnend bei der Logistik. 🤔

Dazu gehörte, die darauffolgend-jahrelange Flut an Drohanrufen, SMS, Briefen und E-Mails beharrlich auszusitzen, ähnlich wie bei meiner früher öfters selbstgewählten Isolation. Bloß nie die Tür aufsperren! Dazu gehörte *auch*, genauestens Protokoll über Methoden und Häufigkeit aller ungewollten Kontaktversuche zu führen – vorbereitend auf eventuelle Gerichtsprozesse – und sämtliche Personen in meinem sozialen Umfeld darauf einzuschwören, sich bloß nicht von meinen Pflege“eltern“ einlullen und instrumentalisieren zu lassen.

„Egal, was sie euch eventuell über mich erzählen, glaubt ihnen kein Wort! Egal, wie jammernd, wehleidig oder fordernd sie werden.“

Nichtsdestotrotz musste ich noch mehrmals die Handynummer wechseln und mich von diversen FreundInnen verabschieden, die plötzlich mitsamt ihren eigenen Familien von meinen Pflege“eltern“ terrorisiert wurden. Niemand hat gerne täglich bis 02:00 nachts neue, drohende Endlosnachrichten auf dem AB. 💀

Ähnlich vergnüglich war, jedem neuen Arbeitgeber und jedem neuen Bar-Team erzählen zu müssen, niemals (Kontakt-)Informationen über mich herauszugeben – ganz gleich, wer wie fragt! – und sie mental darauf vorzubereiten, dass sie mich beim Auftauchen der Pflege“familie“ direktemang abschirmen und die Polizei rufen sollten.

Zu alldem addierten sich zig Gespräche mit meiner Krankenkasse, meinen Hausverwaltungen und diversen anderen Behörden, bloß NICHTNICHTNICHT auf meine Pflege“eltern“ zu reagieren, sollte da je einer von sich hören lassen, was logischerweise wiederholt geschah.

Seit April 2019 ist nun zwar Ruhe (= bis dahin versuchten sie es noch). Aber: diese Ruhe ist hart erarbeitet, und in dieser Zeit des Jahres spüre ich immer, WIE hart eigentlich.

Ganz klar finde ich es toll, dass jeder weitere Tag ohne Kontakt ein weiteres wohlverdientes FUCK YOU! an diese Leute ist. Bitteschön, ihr Penner: 🐙🐙🐙!

Es ist auch großartig, dass ich nicht mehr auf den Straßen abhängen muss, um in Sicherheit zu sein, dass all meine verbleibenden Freunde loyal zu mir sind und die Pflege“eltern“ klar als Täter betiteln, und dass Wolf mich so entschlossen bei Tiefs und Flashbacks auffängt

Aber manchmal will ich eben nur Thunfisch und auf’n Arm! Ich denke, das ist verständlich. Einigen wir uns darauf, dass Gewalt suckt. Von hier bis Meppen. 😒

Habt ihr einen virenfrei-unanstrengenden Tag!

VVN

*(Wurstzeit-Flo! Bloß kein Wort zum Essensbildchen. KEIN. WORT. 😅)

24 Kommentare zu „Acht Jahre ohne Kontakt zu den Pflege“eltern“. Yay.

  1. Ich bewundere deine Stärke. ❤
    Der stete Kampf mit den Flashbacks. Die ganzen Erinnerungen die du dann wieder verarbeitest.
    Ich kann mir das gar nicht vorstellen und es macht mich so traurig.
    Auch dass du von diesen 8 Jahren erst (Hauptsache dann doch) 2 Jahre deine Ruhe hast.
    Ich wünsche dir von Herzen dass diese „Menschen“ nie wieder deinen Weg kreuzen.
    Fühl dich gedrückt 🙂
    Viele Grüße Sandra

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    1. Danke, liebe Sandra! Es ist schön, so etwas zu lesen: insbesondere, weil extrem viele Menschen bei dem Thema der Meinung sind, „Familie und deren Zusammenhalt ginge über alles“. 😒

      Ich sehe das *NICHT* so! In dem Moment, in dem Eltern ihre Fürsorgepflicht für ihr Kind dauerhaft grundlegend verletzen, enden meiner Ansicht nach auch alle (gesellschaftlichen) Verpflichtungen des Kindes den Eltern gegenüber. Wie ein aufgehobener Vertrag. Manche Dinge braucht man außerdem nicht verzeihen.

      Genieße deinen Dienstagabend! VVN 🙂

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      1. Einen Säugling tausende Kilometer (worüber ich so gar nicht hinweg komme) bei „Menschen“ abzugeben , die einem aufs extremste verletzen, in jeglicher Hinsicht, hat mal so gar nichts mit Familie zu tun.
        Wer anders denkt, hat keine Ahnung was Familie bedeutet.
        Das ist nämlich der „Ort“ bei dem man aufgefangen, bestärkt und geliebt wird.
        Ich bin sehr froh, dass du die Chance bekommen hast, selbst eine zu finden.

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    1. Ihr Lieben! Auch ein großes „Danke“ an euch! 😊

      Natürlich war (und ist) es sau-anstrengend. Weil zu dem gesamten Prozess nicht nur gehört, heftigst unnachgiebig und konsequent zu bleiben, sondern auch, sich gegen die ganzen Außenstehenden zur Wehr zu setzen, die „Familie“ als Konstrukt reflexartig romantisch verklären! In deren Weltbild bin *ICH* der Böse, aber den Schuh lass ich mir (zum Glück) nicht anziehen. Wer mir weh tut und mein „Nein“ nicht akzeptiert, wird nie „Familie“ für mich sein. … Ihr wisst ja, wie es ist. 🙂

      Habt einen wundervollen Abend! VVN

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      1. Das ist wohl generell das Problem in Familien mit Fassade. Was sollen denn da die Leute sagen? Und schon wird das Opfer zum Störenfried für alle. Mein/unser Vater sagte in unserer Kindheit. Wenn wir etwas erzählen, sind wir Nestbeschmutzer und die werden ausgestoßen und müssen sterben.
        Kommentar überflüssig…
        Um so besser schmeckt jetzt die Freiheit.

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  2. Ich… Kenne DAS SPRICHWORT mit „Meppen“. War aber nie persönlich dort. Sag: was habe ich da verpasst? 😅

    Ansonsten habe ich juristische Vorkehrungen getroffen, brauchte aber nie darauf zurückgreifen. Ich musste bloß durchhalten- 😇

    Beste Grüße zurück! VVN

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  3. Herzlichen Glückwunsch zum Sieg über die „Terroristen“ und zur Freiheit!
    Als wir den Kontakt abbrachen oder abbrechen wollten, versuchten sie sich alles um es zu verhindern und jeder Außenstehende konnte nicht verstehen „ wie ein Kind seine Eltern im Stich lassen kann“ . Ein Hoch auf die (Schein)heilige Familie*ironie aus *

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    1. Boah, jup, ich verstehe. Und dieses gesellschaftlich-entsetzte: „Wie könnt ihr nur?!“ AM ARSCH, Leute- 😡

      Das ist keine Frage, die man den Betroffenen stellen sollte. Es ist eine Frage für die Täter und Täterinnen. Verdammter Täter-/Täterinnenschutz. Mir kommt da immer die Kotze hoch. 😊😊😊

      Alles Liebe! VVN

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  4. Ach Mensch, würden wir uns schon besser kennen, würde ich noch was persönliches zusteuern … Kindheitstrauma ist ja nicht nur scheiße und macht einem den Weg ins Leben so schwer, es verfolgt einen ja auch sein halbes Leben weiter (je nachdem wie sehr man es denn lässt). Feier dich und deine Stärke, so bitter das auch manchmal alles sein mag. Lass dich drücken, ess gesund (und schieb heimlich mal ein paar Karbs dazu). Alles Gute!

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    1. Alles Gute auch dir und tausend Dank für deinen verständnisvoll-lieben Kommentar! 🙂

      Es ist überhaupt immer wieder „spannend“, wie viel Resonanz auf solche Beiträge hin kommt. Einerseits ist es schön, diese Art von Solidarität und mentalem Miteinander. Aber andererseits auch erschreckend, wie viele Menschen dann leider doch die gleichen miesen Erfahrungen (in der Familie) gemacht haben… 😯

      Ich reiche dir ein Stück Kuchen! VVN

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    1. Thank you, Diane! I didn’t make it, Wolf did, but it’s so very healthy and refreshing- 😊

      Still, I’d always say: „Yes, please!“ to your casseroles, pasta dishes and desserts- 😇

      A sunny Saturday to you! VVN

      Gefällt 1 Person

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