„Es macht mir Angst“ von Autorin Rosa Ananitschev.

Der heutige Artikel stammt – bis auf dieses kleine Vorwort und eine standardmäßige Verabschiedung – nicht von mir, sondern von der Autorin und WordPress-Mitbloggerin Rosa Ananitschev. 😺

Ich reblogge ihren gestrigen WordPress-Beitrag „Es macht mir Angst“ in Originalformatierung und voller Länge, um ihr öffentliches politisches Engagement gegen Putin zu unterstützen.

LIEBE ROSA, DANKE DAFÜR. 💖

Es macht mir Angst

Veröffentlicht am 9. April 2022

Das russischsprachige Forum „Odnoklassniki“ (Mitschüler) hatte ich schon in meinem Blog erwähnt. In gewisser Weise ist es wie Facebook. Ich bin da auch angemeldet, ebenso wie viele meiner ehemaligen Mitschüler, Leute aus dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Einige leben in Deutschland, die anderen in Russland oder sonst wo auf der Welt. Obwohl ich schon mehrmals kurz davor war, die Mitgliedschaft zu beenden, habe ich es noch nicht getan. Es gibt da so viele Putin- und sogar Stalin-Anhänger, dass es manchmal nur noch widerlich ist. Gerade jetzt, in diesen schlimmen Zeiten, kristallisiert sich deutlich heraus, wer wer ist, und leider musste ich schon etliche Namen aus meinem Freundeskreis entfernen. Aber ich stehe auch im Kontakt mit Menschen, die ich sehr schätze, die kritisch das Geschehen in Russland sehen und sich nicht scheuen, ihre Meinung offen zu schreiben. Diese Menschen möchte ich dann doch nicht ohne Unterstützung lassen. Bedauerlicherweise sind wir in der Minderheit und ich gebe zu – das macht mir Angst. Was ist nur los mit der Welt?

Letztlich entbrannte eine scharfe Diskussion, nachdem Katharina Martin-Virolainen die Sendung „Wie die Herkunft unser Leben bestimmt“ (Nachtcafé vom 1. April), in der sie zu Gast war, bei Odnoklassniki geteilt hatte.
Natürlich ging es in den Kommentaren um die momentane Situation in der Welt.
Oft konnte ich nur mit dem Kopf schütteln: Wie kommt man (Frauen, Mütter!) zur Überzeugung, der Krieg wäre gerecht, die Ukrainer hätten es verdient? Sie sind im Bilde, was in diesem Land gerade passiert, wie die Diktatur in Russland sich immer mehr ausbreitet, immer finsterer wird, aber sie finden es wohl gut so. Da bleibt einem (mir auf jeden Fall) die Spucke weg, wie man so schön sagt. Ich kann nur wiederholen, was solchen Menschen immer wieder gesagt wird: Geht doch zurück nach Russland, zu eurem geliebten Putin und freut euch des Lebens dort! Hier habt ihr nichts verloren, insofern auch nichts zu suchen.

Großen Respekt an Katharina – besser als sie es in der Diskussion unter ihrem Beitrag geschrieben und erklärt hat (mehrmals sogar!) kann man es nicht machen. Trotzdem sind ihre so eindringliche Worte anscheinend fruchtlos geblieben. Es hat keinen Sinn – solche Subjekten lassen sich nicht umstimmen.

Eine Userin, die besonders übergriffig geworden ist, wurde letztlich von Katharina gesperrt, so konnte sie die Antworten (darunter auch meine) nicht mehr lesen und schrieb mich deswegen persönlich an. Diesen Wortwechsel möchte ich hier als Beispiel anführen. Die vielen Schreibfehler der Frau habe ich beseitigt.

[05.04.2022] N.: Ich konnte Ihre Antwort leider nicht lesen, da ich von der Moderatorin gesperrt wurde. Falls es Ihnen keine Umstände macht, schreiben Sie es noch mal privat bitte.

Nun antwortete ich ihr (auf diesen ihren Kommentar: Das wurde heute hier in den Medien erzählt [es ging um Butscha], nachdem die russischen Soldaten schon seit über 3 Tagen da weg waren und es gab auch Videos von diesem Ort, aber ohne Toten. Klar, um so ein Filmchen zu drehen, hat man auch Zeit gebraucht … Sie sind auch zum Opfer der Fake News geworden. Schauen Sie jeden Film genauer an, einfach kritischer, sehr viele davon sind schlecht gemacht).

[05.04.2022] Rosa Ananitschev:
Wenn es Sie interessiert, kann ich gern meine Worte hier wiederholen:
„Das Interessante oder eher das Schlimme an Ihren Aussagen ist – Sie wollen gar nicht die Wahrheit sehen. Sie klammern sich regelrecht an das, was russische Patrioten und andere Putinversteher verbreiten. Sie schauen nur darauf, haben nur dafür ein Auge. Wahrscheinlich haben Sie sogar Angst, den Blick in eine andere Richtung zu wenden, denn dann sehen Sie womöglich etwas, was gegen Ihre sture Überzeugung spricht.
Es ist mir ein Rätsel, warum manche Russlanddeutsche so an Putin hängen und seine Diktatur begrüßen. Wollen sie die Verfolgungen, Repressalien, das Morden ohne jeglichen Grund wieder zurück haben? Kann jemand von denen mir das einmal erklären? …
Ich persönlich sehe das als Verrat an unsere Großeltern und Eltern, die so viel gelitten haben, die vom besseren Leben träumten und wussten, dass es nur ein Traum bleibt. Was würden sie heute sagen? Ihre Nachfahren haben jetzt ein gutes Leben – in Freiheit und Wohlstand, in der Demokratie. Und was tun sie? …“

[05.04.2022] N.:
Sie haben wahrscheinlich alle meine Antworten gelesen. Nun, ich kann nur eins sagen, ich war nie in Russland, hatte nie einen Pass … Ich war 2001 in der Ukraine und schon damals als Kind wurde ich für die russische Sprache auf der Straße bedroht, mit Schlägen (Cherson, nicht Donbass). Ich schaue ukrainisches TV, da russisches aus demokratischen Gründen verboten ist😅, und was dort ganz offen gesagt wird, wozu da die Ukrainer aufgerufen werden … das hat wenig mit Menschlichkeit zu tun. Ich schaue ebenfalls amerikanische News, selbst dort gibt es weniger Lügen als hier bei uns, in Freiheit, wie wir meinen.
Zu der Frage, was ich tue: Ich bilde mir meine Meinung, dank meiner verschiedenen Sprachkenntnisse und vertrete sie auch. Denn hier im Land ist nur eine Meinung richtig, die von den Politikern vorgeschriebene. Vor kurzem hat man noch die Ungeimpften genauso durch die Gegend gehetzt. Ich bin gegen Menschenhass und Verteufelung von allem „Russischen“.

[05.04.2022] Rosa Ananitschev:
Dem letzten Satz stimme ich zu, dagegen bin ich auch. Was das Leben in der Ukraine betrifft, kann ich nicht beurteilen, kann nur vermuten, dass Russland nicht unschuldig am Hass den Russen gegenüber ist. Zu viel hat das Land sich an Grausamkeiten zuschulden kommen lassen. So wie jetzt. So wie früher. Ich habe 38 Jahre meines Lebens in Russland verbracht, ich weiß, dass russische Soldaten zu allem fähig sind. Ich weiß, was für grausame „Sitten“ da herrschen. Da wundert es nicht, dass sie im Krieg solche Gräueltaten begehen.
Zum Nachdenken: Mein Großvater (und neun weitere Deutsche aus dem Dorf!) wurde 1937 verhaftet und schon nach wenigen Tagen hingerichtet. Einfach, weil eine Direktive von „oben“ kam, in diesem Sinne: Minimum zehn Personen aus jedem Dorf sind als Feinde zu beseitigen.
Und – wenn hier im Land nur eine Meinung vorgeschrieben und erlaubt ist, wie viele Meinungen sind denn in Russland erlaubt? Werden hier Bürger für ihre Ansichten verhaftet, oder vielleicht doch – in Russland? Werden hier Demonstrationen verboten oder doch – in Russland?
Zum Thema Geimpfte, nicht Geimpfte – es war und ist nun mal so, dass die Ungeimpften sich „hinten anstellen“ müssen. Das ist verständlich und hat mit Menschenhass nichts zu tun.

[05.04.2022] N.:

So war die Zeit damals, sie hatten Angst, dass die Deutschen während des Überfalls auf die Sowjetunion helfen werden, deswegen wurden sie „verbannt“. Ich sehe, die Sorgen der Sowjets waren nicht umsonst … Auch egal.
Zur heutigen Zeit: was Ze. [Selenskij] gestern der NATO-Versammlung sagte, wie er offen aufrief, alle Russen in der ganzen Welt zu töten, ist nicht normal. Oder wurde hier auch nur die verkürzte Version gezeigt? Ich sehe, dass es hier auch schon geschieht, z. B. letzte Woche wurde ein Jugendlicher von ukrainischen Jugendlichen verprügelt und starb 6 Tage danach. Polizei hat sie nicht mal bestraft, nur zurück zum Heim gebracht. Ist es gerecht?

Für mich war damit das „Gespräch“ beendet. Die Sorgen der Sowjets waren nicht umsonst? … Spätestens nach diesem Satz wusste ich: Es ist sinnlos. Es hat nicht einmal Sinn, diese Frau darauf hinzuweisen, dass es 1937 noch keinen Krieg gab. Wie kann man mit so einem Menschen weiter reden, nach solchen Aussagen? Dabei ist die Frau selbst eine Deutsche (aus der damals noch UdSSR).

PS: Vorhin bin ich in einer ähnlichen Diskussion, jedoch von Putin-Anhängern geführt, gesperrt worden, zusammen mit Irina. Thema: Autokorso in Berlin, aber in russischer Sprache. Es gefiel ihnen nicht, was Irina und ich darüber zu sagen hatten. So viel zur Meinungsfreiheit. Wenigstens waren wir zu zweit, wenn auch gegen eine ganze Horde Patrioten. Und wir haben uns gut geschlagen. 😀

SO.

Was die von Rosa erwähnten prorussischen Autokorsos angeht, so gab es vorhin leider auch einen solchen in der Stadt meiner (Weihnachts-)Wahlfamilie.

Daraufhin riss B. das Fenster auf, platzierte – unmittelbar an der Korsofahrstrecke – fette Lautsprecher und meinte:

„Da hilft nur die ukrainische Nationalhymne 😅“

Ebenfalls ein Traum.

Einen ruhigen Wochenstart euch allen, und bleibt mutig, stark und tapfer! 🌸

VVN

11 Kommentare zu „„Es macht mir Angst“ von Autorin Rosa Ananitschev.

      1. Macht nichts! Alles gut. Die Frau hat mich gestern Abend erst angeschrieben, deswegen war es ein bisschen zu spät zum Eingreifen. Und wegen des Bildes … wie ich schon in der Mail geschrieben habe … Ich fand es irritierend für die LeserInnen. 🤔 Danke dir. 😊💕

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      2. Ja, hoffentlich war es trotz deines und meines späten Eingreifens nun nicht zu spät für die Frau- 😱

        Und das mit dem Bild stimmt. Ich muss nochmal gucken, wie man es einfügt, ohne dass es im Blog/im Reader unweigerlich wie ein Titelbild erscheint. 🤔

        So ist nun aber alles in Ordnung, oder? 🐱💖

        VVN

        Gefällt 1 Person

      3. Ja, alles in Ordnung! Nein, zu spät war es nicht. Bei mir im Original hatte ich es ja sofort korrigiert, und deinen Blog besuchen, denke ich, keine Leute, die sie kennen. Aber ich wollte auf Nummer sicher gehen. 😉 Jedenfalls freue ich mich sehr über so viele Like’s für meinen Beitrag auf deinem Blog. 😍

        Gefällt 1 Person

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