Gewalt, das Rechtssystem, Wolf, ich.

Diesen Beitrag wollte ich schon länger schreiben.

Als ich meinen allerersten Auftrag bei der Personalagentur hatte, war eine ältere Dame in meinem Team: agil, lustig, mädchenhaft dünn und laut auf sympathisch-unterhaltende Weise. 😉

Wir sind also ins Gespräch gekommen. Weshalb wir bei einer Zeitarbeitsfirma sind, was wir „SONST noch so machen“… Und nach einem flammenden Plädoyer meinerseits, wieso ich (= als immer noch eingeschriebener Student der Juristerei!) in fundamentalen Bereichen NICHT hinter dem jetzigen Rechtssystem stehen kann, vertraute sie mir an, sie sei ehemalige Betroffene häuslicher Gewalt.

Daher fände sie meine kritische Einstellung super, ich solle mich in dem Rahmen engagieren, damit es hoffentlich etwas ändert… Nun, ja.

Ich blogge zu dem Thema, jedes meiner Bücher beleuchtet Gewalt, deren Dynamik und die daraus entstehenden Folgen- Und ich unterhalte mich. Höre mir Geschichten an, bin da und solidarisiere mich mit anderen Menschen. Mit Menschen wie jener Kollegin.

Dass selbst wildfremde Leute Vertrauen zu mir fassen, passiert auch immer sehr schnell: vermutlich, weil ich betreffs Gewalt, Missbrauch, Rassismus, Diskriminierung, psychischer Erkrankung und Suizid im direkten sozialen Umfeld die *Totale Aura eines Gleichgesinnten* habe- 🤔😅

Und nach dieser Unterhaltung ging es mir nicht aus dem Kopf. WIE OFT ich das erlebe. Neuer Job. Neue Personen. Das erste Gespräch: prompt mit einer Betroffenen- (!)

Solche Erlebnisse zeigen mir wieder und wieder, wie hoch die Anzahl derjenigen bleibt, die systematisch Gewalt erleben oder erlebt haben. Dass die Gewalt allgegenwärtig und real ist. Dass es weiterhin viel zu wenig Hilfe gibt. 😞

Auch Wolf, mit seinem ewigen Gemeinwohlgedanken, ist auf dem Gebiet extrem sensibilisiert. Das achte ich zutiefst an ihm. „Ich kenne kaum eine Frau, die keine Scheißerfahrungen gemacht hat.“, sagte er mir bereits vor über einem Jahrzehnt. Und er thematisiert das, hält selber die Augen offen und nimmt darauf Rücksicht, auch beim Ausleben seiner eigenen Sexualität bzw. „unserem“ BDSM.

Einmal kam er gar verletzt heim, weil er sich in der S-Bahn schützend vor eine Jugendliche gestellt hatte, die von einer Männergruppe belästigt worden war- Erst im Nachhinein wurde mir die Dimension dieser Tat klar, aber ich bin stolz auf damals. Auf Wolf- Selbst heute noch.

Überhaupt ist es toll, wenn Männer so eine sensibilisierte, solidarische Haltung haben! Klingt vielleicht seltsam, aber auf der Front bringt Wolf mir sogar auch noch was bei! Und ich bin dankbar. Und BLOGGE. Mitunter im Namen meiner oben erwähnten Kollegin. 😊

VVN

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