Klarname vs Pseudonym.

Am Anfang war es aufregend. Neu. Spaß. Ein digitaler SpielPlatz für alle. Mal gucken was daraus wird. Ob es sich überhaupt durchsetzen kann.

Spätestens Mitte der 2000er waren wir alle drin. Das Internet garantiert kein OneHitWonder. Wie sehr unser Leben davon mal beeinflusst und geprägt wird, konnte ich damals noch nicht absehen. Wie auch? Ich war nur mit Fußball und Party beschäftigt. Aber das sind ErinnerungsRelikte aus einer analogen Zeit.

Ich wäre nie auf die Idee gekommen meinen Klarnamen zu benutzen. Im Internet konnte ich wer anderes sein. Oder vielleicht nur eine super coole Variante meiner selbst. Es war nicht real. Nicht greifbar. Nur auf dem BildSchirm. Halt irgendwie schon wie ein großes ComputerSpiel. 

Bis Heute nutze ich meinen KlarNamen nur auf FaceBook, Xing und LinkedIn. Wobei ich auf zwei von den Dreien wenig bis gar nicht aktiv bin. Ansonsten benutze ich Pseudonyme. Weil ich das schon immer so gemacht habe. Weil es im Internet normal ist.

Die Sprache darin hat sich in den letzten Jahren verändert. Natürlich. Wir leben im Netz. Analoge und digitale Welt sind verschmolzen. Alles was hier passiert, ist nur ein SpiegelBild des Klimas innerhalb der Gesellschaft. Mit der Ausnahme, dass man im digitalen Raum mehr Menschen erreichen kann. Sich (noch) viel mehr erlauben kann.

Muss das so sein? Eigentlich nicht. Da beide Welten kaum mehr voneinander zu trennen sind, müsste man sie quasi synchronisieren. Aus Julian Carax wird dann Max Mustermann. Valentin ist dann Friedrich Neubeurt. Keine Pseudonyme mehr. Die nutzen wir im wahren Leben ja auch nicht. 

Anke war in ihrem ersten Kommentar unter meinem Beitrag auch gleich Feuer und Flamme für diese Idee:

“Warum müssen wir im Netz etwas vorspielen, was wir im wahren Leben nicht sind, uns nicht trauen, weil wir irgendeinen Schein wahren wollen? Alles Bullshit. Sorry, aber ich bin da sehr entschieden. Meinungsfreiheit funktioniert nur dann, wenn man auch das Gesicht hinhält.”

Genau so sehe ich das auch. 

Ein Beispiel. Vereinfacht. Super naiv. Absolut theoretisch. Aber so sollte/müsste/könnte/würde das dann laufen:

Ich bin auf der Straße unterwegs. Jemand beleidigt mich und droht mir. Ich rufe die Polizei. Zeige die Person an. Sie bekommt die gerechte Strafe. Fertig. 

Ich schreibe einen BlogBeitrag. In den Kommentaren werde ich beleidigt und bedroht. Ich zeige die Person an. Schließlich habe ich ja jetzt den Namen. Gerechte Strafe. Fertig.

Man könnte auch noch das Argument ins Spiel bringen, dass es in Deutschland ein Vermummungsverbot gibt. Wenn man dieses auf das Internet anwendet, wäre es nur logisch, dass man sich überall mit seinem Klarnamen anmelden muss.

Und da hört es dann auch schon auf. Vielleicht bin ich damit sogar über das Ziel hinausgeschossen. 

Sicherlich kann man so argumentieren. Diesen Ansatz wählen. Er ist in gewisser Weise sogar nachvollziehbar. Im ersten Moment war es für mich super logisch und erstrebenswert. Ich habe einen AllerWeltsNamen. Von mir aus mache ich alles unter Diesem. Kein Ding. Nachteile oder Gefahr habe ich dadurch ja nicht.

Einen Blick in die Kommentare von Euch hat genügt. Meine Sicht war viel zu eindimensional. Viel zu weiß. Viel zu männlich. Viel zu alles was ich bisher eigentlich besser wissen sollte. 

Valentin wird euch am Freitag die Seite aufzeigen, die ich komplett nicht gesehen habe. 

Julian Carax

21 Kommentare zu „Klarname vs Pseudonym.

  1. Julian, ich geselle mich da gleich mit zu dieser Eindimensionalität.
    Obwohl ich doch kurz vorher genau auch die andere Seite gesehen habe, aber nicht aufs Internet ausgeweitet habe. Wurmt mich immernoch.
    Um so viele Ecken gleichzeitig blicken fällt mir schwer. Man hat ja doch meist den Fokus aus sich und seine Art zu denken und mit bestimmten Sachen umzugehen. Sich dabei gleichzeitig aber auch in andere Menschen hineinzuversetzen – was wäre wenn – muss ich auf meine „alten Tage“ echt noch lernen. Kann man ja auch jemanden gewaltig vor den Kopf stoßen.
    Gruß Sandra

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    1. Die eigene LebensReaität bestimmt das Handeln und Denken. Was natürlich in erster Linie normal ist. Daher ist es ja so wichtig sich auch mit anderen LebensRealitäten auseinander zusetzen. Zu verstehen. Erst dann kann man versuchen in den anderen Menschen hinein zu versetzen. Gerade das klappt oftmals nur schwerlich, weil man so absolut keinen Bezug dazu hat.
      Ich stoße da auch (noch) zu oft an meine Grenzen. Einfach weil man die Emotionen halt nicht kennt. Das dann von Außen wahrzunehmen. Schwer. Da werden wir noch oft Menschen vor den Kopf stoßen. Wichtig ist dann der gemeinsame Austausch dazu. Und das Lernen.

      Liebe Grüße an dich Sandra. 😊

      JCarax

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  2. Meine Vor- und Nachnamen-Kombination gibt’s genau ein einziges Mal in Deutschland. Beruflich bin ich außerdem sehr auf einen seriösen und tadellosen Ruf angewiesen… Deshalb war es nahezu tödlich für mich, als ich 2008/09 eine Stalkerin und eine Meute von Cybermobbern am Bein hatte – ich habe mich bis heute reputationsmäßig und finanziell davon nicht mehr komplett erholen können, denn „das Netz vergisst nie“ (außer man hat eine sehr gute Rechtsschutzversicherung oder kann ein Heer von Anwälten bezahlen)… Wenn eines Tages die Klarnamenpflicht käme, würde ich das Netzt von da an nur noch „passiv“ nutzen und nirgends mehr was posten… 😏
    Guckt Euch mal Beispielsweise Jasmina Kuhnke an (Quattromilf, Ebony plus Irony), die musste gerade umziehen weil sie tonnenweise Morddrohungen bekam, nachdem ihre Adresse bekannt wurde… 😱
    Beste Grüße!

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    1. Ich habe halt noch nichts dergleichen erlebt. Nur ein paar Störenfriede hier. Aber nichts Vergleichbares.
      Seit euren Kommentaren vom Sonntag sehe ich das eh schon wieder ganz anders. Im ersten Moment war mir diese Seite einfach nicht ausreichend bewusst. Ich habe es auch nicht mehr wirklich geschafft Argumente für eine KlarNamensPflicht zu finden. 😶

      Pass auf dich auf!

      JCarax

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  3. Früher, Ende der 90er war das Chaten in irgendwelchen Chaträumen auch total Inn. Natürlich ohne Klarnamen versteht sich. War halt ein neuer Spaß. Aber ja, das mit dem anonymen Scheiß bringt’s irgendwie nicht, da denke ich vermutlich ebenfalls stereotyp weiß männlich, wie Du schreibst. Aber ist man als Blogbetreiber nicht sowieso gesetzlich verpflichtet ein Impressum – mit zumindest Namen und Postanschrift – anzugeben?

    Gefällt 2 Personen

      1. Deswegen sind wir doch aber hier oder nicht? Weil wir was lernen wollen. Andere BlickWinkel kennenlernen. Das Denken und Handeln anderer zu verstehen.

        Klar bringt es der anonyme Scheiß nicht. Aber die andere Seite überwiegt, glaube ich, Mehr. dazu morgen von Valentin.

        Zu der Frage mit dem Impressum. Beim kurz recherchieren, habe ich das hier gefunden:

        https://ideaapriori.de/online-ratgeber/impressum-webseiten-impressumspflicht-faq-2021/

        Da heißt es unter Anderem:
        „Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Impressumspflicht nach TGM nur dann nicht gilt, wenn die Webseite und deren Inhalt sich rein und ausschließlich auf private sowie familiäre Inhalte beschränken und zudem keine Werbemaßnahmen (z.B. AdWords oder Adsense) betrieben werden.“

        Grüße

        JCarax

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  4. In manchen Ländern braucht es keine Klarnamen. Da wird das Netz so gut überwacht, dass auch so schnell klar ist, wer das was schreibt. Und wo er/sie sich gerade aufhält. Und was er/sie gerade so tut.
    Und selbst in Deutschland – mit DSGVO usw. – weiß Facebook und Co. nicht selten mehr über uns als wir selber. Wovor haben wir also Angst? Eine mögliche Antwort: Wir haben Angst vor dem, was andere tun, die noch nicht verstanden haben, daß genau das der Fall ist. Das eigentlich bekannt ist, wer da es gerade schreibt. Angst vor jenen, für die es eine Sozialkontrolle im Netz noch nicht gibt. Für die ihr Handeln für sie selbst folgenlos ist, oder zumindest scheint.
    In den Ländern, in denen die Überwachung bereits entsprechend funktioniert, gibt es diese Probleme im Netz offensichtlich so nicht. (Social-Scoring usw.) Wollen wir das auch? Dann könnte man auch ganz offen seinen Namen nennen. Dann könnte man seine Gedanken aber auch ganz offen auf der Straße erzählen – auch völlig Unbekannten. Ich kenne kaum jemanden, der auf der Straße so offen spricht, wie er es im Netz tut.
    Früher hieß es: „Stadtluft macht frei.“ (Anonymität der Stadt im Vergleich zum Land, wo jeder jeden kennt bzw. kannte.) Heute müsste man es „Netzluft“ nennen. Wir müssen als globale Gesellschaft erstmal neue Umgangsformen lernen – gerade im Bezug auf Toleranz. Das braucht Zeit…
    🍀👍🌈

    Gefällt 4 Personen

    1. Von Social Scoring höre ich gerade das erste Mal. Kurz mal bei Wikipedia vorbei geschaut. Erinnert mich ein wenig an den HausPokal bei HarryPotter. Fünf Punkte Abzug für Max Mustermann für das ansehen pornografischer Inhalte. Ich werde mich dazu nochmal belesen. Ich tendiere aber dazu es nicht so zu wollen.

      Die Punkte mit den anderen Ländern werde ich auch nochmal angehen. Darüber habe ich noch keinen Überblick. Ich bin aber sehr gespannt.

      „Wir müssen als globale Gesellschaft erstmal neue Umgangsformen lernen – gerade im Bezug auf Toleranz.“
      Im Prinzip ist damit alles gesagt. Was es gleichzeitig so schlimm macht. Wir müssten das vor allem auch erstmal auf nationaler Eben hinbekommen. Das halte ich momentan schon für schwierig genug. Aber das ist der wahre AnsatzPunkt. Für Alles.

      Ansonsten hoffe ich, dass Valentin und mein Beitrag im Laufe der Woche mehr Licht ins Dunkel bringt. Ich biin auch noch in der MeinungsFindungsPhase.

      Ganz liebe Grüße

      JCarax

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      1. Darüber sprechen schafft Bewusstsein für das Thema. Und viel anderes können wir nicht tun. Jeder muss am Ende seine Haltung dazu finden – wenn möglich eine, die „sozialverträglich“ ist. Aber das müssen wir jedem selbst überlassen.
        👍🍀🤗

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  5. Kein Grund, mit dir selbst so hart ins Gericht zu gehen. – Die Idee, analoge und digitale Welt zu synchronisieren, gefällt mir. In der Theorie gut, die Juristerei müßte da allerdings mal versuchen, Schritt zu halten. Allzu lange war das Internet ja „Neuland“ und ist es wahrscheinlich heute noch. Ob bei Strafverfolgungen wegen Hetzposts oder wenn es um Urheberrechte geht. Aber das ist wiederum eine andere Geschichte.
    Komm‘ gut in den Tag!

    Gefällt 2 Personen

    1. Wenn man die rechtliche Seite alleine betrachtet, ist es ein mega großes Feld. Da macht ja jedes Land auch das was es will. Da einen globalen Konsens zu finden ist aussichtslos.

      Es ist halt mega spannend dabei zu sein wie sich das Internet entwickelt. Und zwar von Anfang an. Genauso wie es sicherlich mega spannend war für die Menschen als die DampfMaschine an den Start gekommen ist. Als Beispiel.
      Für den ganzen Abfuck sind letztendlich wir verantwortlich. Denn wir machen das Internet.

      Pass auf dich auf und habe einen schönen Abend. 😊

      JCarax

      Gefällt 1 Person

  6. Allein schon die Selbstverständlichkeit bei der Annahme, dass die Polizei auf deiner Seite stehen wird, wenn du sie (am StGB gemessen berechtigt) rufst, lässt hinsichtlich privilegierter Naivität hier mal wieder ganz schön tief blicken.

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  7. So richtig verdient habt ihr den Tipp ja eigentlich nicht, aber wer mal wissen will, wie es um die unglaubliche Einsatzbereitschaft der Polizei steht, wenn Klarname und Adresse bereits im Netz stehen, besonders wenn man nicht weiß und obendrein dann nichtmal cis-männlich ist, hat der Volksverpetzer bzgl. Jasmina Kuhnke sehr hübsch aufgearbeitet:
    http://www.volksverpetzer .de / social-media/quattromilf-rechte-cancel-culture/

    Spoiler: Das einzige, was Polizisten hierbei geleistet haben, bestand darin, den rechten Mob über Name und nach dem Flucht-Umzug auch die neue Wohngegend der Zielperson zu informieren.

    Andererseits zögere ich ziemlich, ob ich hier darauf spekulieren sol, dass irgendwer bereit sein wird, sich auf Frau Kuhnkes Seite zu stellen. Ihr Tonfall ist nämlich manchmal nicht sehr nett.

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  8. Ich tendiere eher zu Klarnamen im Internet. Bei dem was ich schreibe, denke ich mir – würdest du über dieses Thema mit deinen Freunden sprechen, wenn du mit ihnen in einem Restaurant sitzt und die Leut am Nebentisch können zuhören?
    Gibt es spezielle Probleme, mit denen ich persönlich hadere – diese würde ich nicht in meinem Blog ausbreiten.
    Kleines Beispiel – als ich über eine gewisse Zeit hinweg damit beschäftigt war, mir das Alkohol trinken abzugewöhnen, war ich in einem Forum zugange. Für die Öffentlichkeit wäre ich in diesem Zustand zu verwundbar gewesen. Dieses Forum war zwar öffentlich (schließlich ist es wichtig, dass andere Menschen, die ähnliche Probleme haben, Anregungen bekommen) aber es war moderiert – und das finde ich bei solchen Angelegenheiten, in denen es ans psychisch Eingemachte geht, wichtig. Dort hatte ich meinen Austausch bei relativer Sicherheit.

    In diesem Sinne – auf guten Austausch 🌈 ✨
    Liebe Grüße
    Sabine vom 🕷 🕸

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    1. Ich finde es gut, dass du so eine gute Erfahrung gemacht hast. Gerade wenn es um solch sensible Themen geht, ist es wichtig, dass man sich in einem SafeSpace befindet. Für sich. Mit den anderen. Moderation ist auch wirklich wichtig. Wenn sie gut ist. ☺

      Kommentare unter einem YouTubeVideo lassen sich ab einer bestimmten Reichweite nicht mehr moderieren. Das mag hier vielleicht noch gehen. Bei allen schnelleren Medien aber eher nicht. Sonst wäre ich voll dafür.

      Ich verstehe auch deine Tendenz zu Klarnamen. Kann sie nachvollziehen.
      Obwohl es in der Diskussion nicht darum geht, ob sich jemand persönlich zu intimen Dingen äußern möchte. Das regelt jeder anders. Im Internet oder im Restaurant. Persönliches Recht.

      Es gibt aber Menschen, die möchten sich gerne äußern. Könnten es aber nicht, wenn sie ihren Klarnamen verwenden müssten. Mehr dazu von Valentin morgen.

      Liebe Grüße

      JCarax

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      1. Das Beispiel war wohl nicht so passend. Es sollte eigentlich ausdrücken, dass ich mich im offenen Internet nicht anders äußere als im ‚richtigen‘ Leben.
        Dass so mancher Mensch das aus der eigenen Erfahrung heraus nicht gern tun möchte, kann ich verstehen.
        Aber mir gefällt es nicht, dass der schlechte, kleinere Teil der Teilnehmer, die Marschrichtung bestimmt.
        Liebe Grüße
        Sabine

        Gefällt 1 Person

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