Weder Nazifanbase, noch Ratschlagbullshit.

Feststellung. Immer dann, wenn Herr Carax und ich entweder

• etwas mit sehr düsterem Humor, oder aber

• etwas deutlichst gegen Rechtsradikalismus und Fremdenhass Gerichtetes posten, springen uns durchschnittlich drei FollowerInnen ab. *loooool* 😹

Kein Verlust! Bloß spannend zu beobachten. Und in diesem Fall führe ich das Geschehen ausnahmsweise nicht auf die zahlreichen Merkwürdigkeiten von WordPress zurück. Ich denke, damit ecken wir an – voller Genuss und Freude allerdings.

(Likes von AfDlern/Nazis/Artverwandten zu erhalten, war nie unser Bestreben. Der reine *Gedanke*, dort eine Fanbase zu haben, gruselt mich bereits. 😅)

Nun zum versprochenen Hauptthema des Abends:

Personen, die aus dem Blauen heraus angelatscht kommen und der Meinung sind, sie hätten ihr Gegenüber 1.) total durchschaut, und daher 2.) heiliger-Gral-mäßig die Universallösung für sämtlichen Shit im Leben ihres Gegenübers entdeckt.

Dieses „Gegenüber“ ist man leider Gottes fast grundsätzlich selbst, weshalb ich vorgestern ja auch munter meinen „halbvergrätzten Abendbericht“ in die Welt hinaus schickte. 🐙

Von Seiten der Lunis erreichte mich daraufhin (= sehr treffend) folgender Cartoon:

😹😹😹

Ich unterstelle, *SO* würden sich sehr viele „Personen, die mit ungebetenen Ratschlägen angelatscht kommen“ tatsächlich gerne fühlen: heldenhaft, gefeiert und anerkannt.

Zutiefst menschliche Bedürfnisse soweit, wenn das vorausgehende Handeln nicht komplett grenzüberschreitend, anmaßend, bevormundend und – im schlimmsten Fall – sogar richtiggehend retraumatisierend wäre! 😒

(Anekdote: einer Freundin von Wolf und mir, die seit Laaangem häusliche Gewalt erfährt, wurde kürzlich zu *YOGA* geraten, um ihre Lage aufzulösen. *YOGA*. Selbstredend war sie danach fassungs- und sprachlos: insofern bin ich wegen Lakes Kommentar, siehe hier, in enorm lautes Gelächter ausgebrochen.)

Wie also mit solchem Verhalten umgehen?

Der Impuls, einfach schwungvoll zuzuhauen, ist logischerweise auch bei mir vorhanden. 😆

Aber, und diese Überlegung trage ich seit etwa 36 Stunden mit mir herum, es zählt am Ende irgendwie doch die tiefere Absicht jener Leute. Im Grunde ist es so, wie Mai Thi es in ihrem Video „Zwischen Rassismus und Neugier: Woher kommst du?“ äußert.

„Die Absicht ist wichtig.“ und

„Aufklärung ist die einzige Lösung gegen Unwissenheit“.

Will sich jemand mit diesen ungebetenen Ratschlägen lediglich profilieren, damit er – in der jeweiligen geselligen Runde – für fünf Minuten auf einer Bühne stehen kann, dann „darf“ man demjenigen legitimsterweise im Strahl auf die Schuhe kotzen… Und ihm eine unmissverständliche Ansage machen!

„Ich glaube, dir geht es gerade kein Stück um mich und mein Wohlergehen. Du möchtest dich bloß auf meine Kosten feiern und dich (moralisch) über mich erhöhen.

Wäre dir *wirklich* an mir gelegen, hättest du nicht stumpf mit vermeintlichen Lösungen drauflosgelabert, WÄHREND HIER JEDER ZUHÖRT! Stattdessen hättest du mich im Privaten gefragt, was ICH eigentlich will.“

(*DAS* offen zu entgegnen wirkt Wunder. 😊)

Doch Wolfs Kumpanen, die meine Pflege“eltern“ und Co. vermöbeln wollen, kamen einzeln zu mir und meinen es, verdammte Axt, nicht böse. Das muss ich ihnen fairerweise lassen – nun, wo meine akute Vergrätztheit verraucht ist. Sie möchten helfen und machen es schlichtweg falsch.

Auf ihre unbeholfene, fehlgeleitete und über komplexe Gewaltdynamiken zu 0% Bescheid wissende Art versuchen sie auszudrücken, dass sie solidarisch hinter mir stehen, aber verkacken.

(Stellt euch an dieser Stelle vor, wie ich hörbar seufze und abermals: „Verdammte Axt“ murmele. 🙄)

So, wie es demnach aussieht, muss ich sie mir alle in einem ruhigen Moment fernab jedes Alkoholkonsums schnappen und mit jedem ein solch aufklärendes Gespräch führen.

Das wird supersuperanstrengend, ich ahne es schon jetzt, und ihnen nahezulegen, dass sie „grenzüberschreitend, anmaßend, bevormundend und – im schlimmsten Fall – sogar richtiggehend retraumatisierend“ handeln, wahrlich nicht leicht.

Aber wenn ich den Dialog nicht suche und ich es ihnen nicht sage, tut es *höchstwahrscheinlich* niemand! Da gehe ich erneut in Gänze mit Mai This Video d’accord. 🌞

Unter’m Strich lautet mein ziemlich deckungsgleiches Fazit daher: hat jemand spürbar gute Absichten und kriegt es auf Grund von mangelndem Hintergrundwissen schlichtweg nicht hin, vernünftig zu helfen – reden, reden, reden.

Ist derjenige jedoch nur aufmerksamkeitsgeil und/oder menschlich ohnehin ein Idiot – dessen Verhalten direkt adressieren und ihm konkret mitteilen, dass er sich damit auf lange Sicht *safe* ins soziale Aus manövrieren wird.

Was meint ihr dazu?

Wir lesen uns… Macht euch einen grandiosen Restmontag! 🌸

VVN

P.S.: morgen Abend grillen wir vorraussichtlich mit Freundin II, um den Rest des Sommers zu nutzen. Ich freu mich drauf.

29 Kommentare zu „Weder Nazifanbase, noch Ratschlagbullshit.

    1. Eure Zustimmung erfreut mich doch sehr! 😸

      Und bei dem Spruch frage ich mich seit vorhin, ob der spontan auf euren Mist gewachsen *ODER ABER* so Volksmund ist, der mich bislang nicht erreichte. 🤔

      Wie dem auch sei: ganz generell ist „mein Deutsch ja trotzdem schon recht gut“- Wahahaha… Mann, Mann, Mann. 😹

      Fühlt euch, äh, herzlichst angefiept: VVN

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  1. Sommer? Wo denn? Bei uns keine Spur mehr von Sommer. Hier hat es heute sogar mal so frisch und klar gerochen, die Luft, als hätte es bereits irgendwo, auf den Bergen geschneit. Es ist, für ende August zu kaaalt! 😦
    Ganz liebe Grüße und viel Spass beim Grillen. 🙂

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    1. Jaaa, liebe Jacqueline – hier isses auch arg regnerisch und kühl. Allemal bereits herbstlich. 🤔

      Wie ich dem Flo aber bereits eben geantwortet hab, schiebe ich den Gedanken an: „September und letztes Jahresdrittel“ noch ein Bisserl von mir. Uach! 😮

      Bleibt gesund, warm und fröhlich, ihr Vier! VVN 🐱🐱

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  2. Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Und vor allem vielen Dank, dass Du mir jeder/m einzelnen reden willst.
    (Getreu dem Motto: Es gibt nichts gutes, außer man tut es…)
    Wenn auch nur eine/r etwas davon kapiert, hat sich die ganze Arbeit schon gelohnt. (Und wesentlich mehr, fürchte ich, werden es auf lange Sicht nicht werden.)
    Es wird vermutlich einiges an Kraft kosten.
    Meine Unterstützung hast Du!
    🍀💚🤗

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    1. Lieber Ankor: dieses Motto hörte ich schonmal irgendwo und mag es. Danke für’s Erinnern! 🌸

      Ich freu mich auch, dass dir meine Herangehensweise konstruktiv und sinnvoll vorkommt. Ich fühle mich mit diesem Weg bislang nämlich wirklich gut und werde zusehen, dass man mich 1.) inhaltlich und emotional versteht, und dann 2.) in möglichst allen zukünftigen Situationen dieser Art *anders* handelt. Keine voreiligen und ungebetenen Ratschläge mehr von deren Seite – dafür umso mehr Zuhören und Nachfragen. 🙂

      Schön, dass du wieder bei uns warst und mir diese positive Rückmeldung dagelassen hast! VVN

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  3. Guter Beitrag. Ist überlegenswert. Aber da meine Menschenkenntnis da wohl eher versagt, würde ich die wirklich Wohlwollenden gar nicht unterscheiden können. Im berauschten Zustand gleich gar nicht, da Angst…..
    Hab(t) einen schönen Dienstag.
    🍀🌞🍀

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    1. Danke dir, liebe Sandra! Ja, ich überlegte das alles ebenfalls hin und her, aber am Ende habe ich wohl nur diese Chance: es den wohlwollenden Leuten haarklein zu erklären- 😮

      Woran ICH sie erkannte/erkenne: daran, dass sie eben *alleine* zu mir kamen, um mir zu sagen, dass sie sich für mich prügeln würden (= das ist ja *ECHT* nett, und dennoch absolut unangebracht und 0% zielführend 🤔) – und daran, dass sie mich den Rest der Zeit gut behandeln. Wertschätzend und zugewandt, mit Komplimenten, Einladungen und freundlichen Gesten. 😇

      Was du meinst, kann ich aber auch sehr stark nachfühlen. Hat man Angst, dann… HAT MAN EBEN ANGST. 😟

      Lass es dir gutgehen! VVN

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  4. Uff, mit jedem einzeln reden, anstrengend.
    Aber eigentlich ein guter Plan. Wenn er nicht so viel Nerven und Kraft kosten würde 😀
    Finde ich aber gut, dass du das anstrebst. Nur so kann man wahrscheinlich ein weiteres Mal verhindern.
    Ich drück die Daumen, dass die Gespräche dann auch konstruktiv sind und Früchte tragen.
    Und wenn nicht bleibt immer noch der Sack 😀
    Einen fröhlichen Grillabend heute!

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    1. Danke sehr für’s Daumen drücken, ihr Lieben. Man kann die *eigentlich* OKen Leute schließlich echt nicht einfach hauen – so sehr man das in der ersten Sekunde auch will! 😹

      Und den fröhlichen Grillabend werden wir sicher haben. Ob nun Regen oder 🌞 … Am Ende zählt die gute Gesellschaft.

      Herzlichste Grüße nochmal! VVN

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  5. Danke, ein super Beitrag!
    In unserem Freundeskreis gibt es Menschen aus den verschiedensten Ländern/ Kontinenten. Und ja, nur diejenigen, denen man es sofort „ansieht“ erleben, dass sie in eine Verteidigungshaltung gedrängt werden. Und sie werden zusätzlich zu dem ganzen Leid, dass sie oft in ihrem Leben schon erfahren mussten, wieder und weiter traumatisiert.
    Dabei merken die fragenden „super weißen Deutschen“ gar nicht, was sie für Vollpfosten sind. 🤮🥵🐙🐙🐙🐙🐙🐙🐙🐙
    Die Welt könnte dabei mit Toleranz und Achtsamkeit so bereichernd sein.

    Gefällt 3 Personen

    1. Danke für den langen Kommentar und die 🌼🌻🌸, liebe Marie & Co.!

      „Toleranz und Achtsamkeit“ braucht die Welt dieser Tage eigentlich mehr denn je, aber *die Menschheit an sich* verzockt es offensichtlich hart. Oft fehlen mir die richtigen Worte für den täglichen Abfuck. 😟

      Das Video von Mai Thi finde ich echt gut. Und genauso, wie man wegen seiner Herkunft und Hautfarbe in eine schier ewige Verteidigungshaltung gedrängt wird, so auch mit solchen: „Mach doch mal *YOGA*!“-Ratschlägen. 🐙

      Es… NERVT. 🙄

      Insofern hoffe ich, dass mein oben geschilderter Plan funktioniert.

      Und was die „Weißen“ angeht, so schrieb ich hier ja bereits öfters über „Weiße Privilegien“… Niemand kann etwas dafür, wo er in welche Gesellschaft hinein geboren wird, natürlich – aber jeder kann etwas dafür, wie er sich in Folge dessen verhält. 🙂

      Seid superlieb gegrüßt! VVN

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  6. Mein Maßstab ist und war schon immer in Gesprächen über Wurzeln und Herkunft das Empfinden meines Gegenübers. Und dennoch habe ich auch schon unabsichtlich blöd reagiert, das aber gleich gemerkt und darüber gesprochen. Das, obwohl ich recht sensibel bei diesem Thema bin und meine beiden Töchter aus Sri Lanka stammen. Und ich hatte viel Gelegenheit zum Üben, weil ich ein „buntes“ Haus führte (O-Ton Nachbarn, nett gemeint). Die Mädels selbst haben immer ganz cool reagiert bei solchen Fragen: Wir sind aus Sri Lanka und adoptiert. Solange sie sich noch im dörflichen Rahmen bewegten, waren sie auch irgendwie safe. Später gab es in den Städten schonmal üble Situationen auch bei Kontrollen.
    Auch ich als Mutter musste mir so manche dummdreiste Bemerkung anhören wie: Musste es denn ein Neger sein? oder süffisant: Oh, he was black. Nun ich weiß mich zu wehren, aber für die Kinder war das unangenehm.(in den 80ern!) Da gab es viel Gesprächsbedarf. Nun wurde ich mit fünf Kindern in jener Zeit, zwei davon braun und drei weiß, ohnehin von Unbekannten als asozial eingeschätzt. Einmal waren wir in der Stadt unterwegs und entgegenkommende Passanten fühlten sich offensichtlich gestört. Einer wollte gerade meine kleine Tochter zur Seite schubsen. Ich hab ihm sehr, sehr fest gegen sein Schienbein getreten. So wie es mich mein Vater für Notsituationen gelehrt hat. Es gibt Situationen, da kann und will ich nicht anders.
    Ein Erlebnis fällt mir noch ein. Die ältere saß im Einkaufswagen, die kleine war im Tragetuch. Eine Mutter kam mit ihrer Tochter vorbei und das Kind zeigte auf meines und rief: Mama guck mal, wie schwarz das Kind ist. Meiner Tochter standen die Tränen in den Augen und ich sagte zu Ihr: Chandri, guck mal, wie dumm das Kind ist. Das kann braun nicht von schwarz unterscheiden. War jetzt sicher sehr hart, denn es war ja auch nur das Produkt seiner Eltern, aber meine Kleine konnte wieder lachen. Familie geht vor!

    Gefällt 2 Personen

  7. Die schlimmsten Ratschläge-Verteiler hab ich so gut es geht aus meinem Leben verbannt.
    Ich hab da eine ziemlich schwere Allergie.
    Es steckt ja auch nicht umsonst „Schläge“ in diesem Begriff.
    🤓
    Aber dass dir bei bestimmten Themen drei Follower abhanden kommen, ist doch auch ein echter Schlag 👊🏻 ein Ritterschlag 🗡
    In diesem Sinne
    🖖🏼
    Sabine vom 🕷🕸

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, liebe Sabine – ich denke auch so.

      „Wenn uns solche Leute nicht (mehr) lesen wollen, dann haben wir extrem viel richtig gemacht.“ 😊

      Dein Hinweis auf „RatSCHLÄGE“ gefällt mir überdies sehr. Nie darauf geachtet, aber es ergibt erschreckend viel Sinn. 🌞

      Nja. Wir lassen uns nicht bullshitten! Ganz liebe Mittwochsgrüße! VVN

      Gefällt 1 Person

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