(Politik-)müde, aber gut umsorgt.

Irgendwas hab ich mir eingefangen, weshalb ich dauermüde bin. Es fühlt sich so an wie das letzte Drittel einer Lebensmittelvergiftung, nur eben ohne die offensichtlichen Symptome einer Lebensmittelvergiftung?! Man muss es nicht verstehen, ich verstehe es ja selbst nicht. Ich weiß nur, dass ich ständig liegen muss und schon ein Ortswechsel von Zimmer zu Zimmer Kraft kostet. Uach. 😒

Ebenfalls Kraft gekostet hat mich das Verfassen des gestrigen Beitrags über den WDR und die Saucendebatte. Politische Arbeit und öffentlicher Austausch zu gesellschaftlichen Entwicklungen sind so wichtig, gleichzeitig wünschte ich, es wäre gar nicht mehr nötig, Dinge wie Weiße Privilegien überhaupt noch erläutern zu müssen. 

Und es ist ein „Müssen“, ein ewiges Müssen. Wie gestern erwähnt gibt es selbst im politisch linken Spektrum so unendlich viele Menschen, die sich ihrer Weißen Privilegien nicht bewusst sind und darauf angesprochen furchtbar empört, ablehnend und sogar hasserfüllt reagieren. Und leider hört dort meistens jede Diskussion auf, obwohl sie dort erst wahrhaft beginnen könnte. So: „Gesellschaftliche Veränderung? Klar, propagieren wir! Aber nur, solange es für uns selbst nicht unbequem wird.“ 🐙

Sehr passend fand ich den Kommentar von myokard, den ich hier inhaltlich unverändert einfügen werde (= DANKE): 

[Das Problem an linker Politik ist, dass die Leute so sehr davon überzeugt sind, gut und woke und progressiv zu sein, dass sie ihre blinden Flecken nicht merken. Das ist sehr spannend…

Bei Rassismus kann ich als nicht-Betroffener nicht wirklich mitreden, aber was in linken Szenen teilweise so an Antisemitismus SALONFÄHIG ist – da fällt einem alles aus dem Gesicht… (obligatorisches „kein ‚richtiger‘ Jude, nur seit zwei, drei Jahren vorsichtig am Konvertieren“ einfügen).

Da ist also eh schon so ein „Ich bin viel besser als Nazis.“ Wenn man solchen Leuten dann Rassismus oder sonst einen fiesen ismus „vorwirft“… uiuiui. Und dazu kommt ja noch die gute alte white fragility. Aaah. Und das BESTE ist, dass es einem als weiße Person wirklich nicht weh tut (oder zumindest weniger als PoC, wenn sie von Rassismus betroffen sind), sich damit zubeschäftigen und zu hinterfragen. Weil, ja. Ich bin queer und links und „woke“. Je nach Definition vielleicht auch linksextrem, no idea… Aber das ist halt ungefähr ein so sinniger Persilschein wie 45.

Ich habe eben auch festgestellt, dass da noch internalisierter/„subtiler“ Rassismus in mir ist. „Obwohl“ ich mich immer übers N-Wort aufgeregt habe usw usw. Allein das Aufwachsen als privilegierte Person in einer rassistischen Gesellschaft macht ja „etwas“ mit einem.

und es ist wahnsinnig anstrengend, das aufzudröseln und zu merken, dass da eben „trotz“ all der wokeness und heititei ichbinsolinks unbewusste Vorurteile etc pp sind, aber es ist halt WICHTIG, weil, wenn man nicht hinguckt, passiert da halt auch nix.] 

Genau so ist es. 🤔

Ähnlich absurd ist die Tatsache, dass ich früher – was ich vorgestern Nacht mit meinem Grillplattenfreund beredete – meistens die einzige „Schwarze“ Person in unserem linken Jugendraum (und bei unseren Antifa-Aktionen war). Die einzige! Und das Sagen hatten *immer* Weiße Privilegierte. Über 23 Jahre später hat sich das zwar zum Glück auch geändert. Aber rückblickend spricht es Bände. 

Sooo. Nun noch ein paar Kurzupdates für meine mentale Entspannung. 

1.) Wolf und ich sind seit Sonntagmorgen, 31.01.21, 06:00, erneut abstinent und alkoholfrei unterwegs. Mal schauen, ob ich es dieses Jahr wieder insgesamt sieben Monate durchziehe (= ein Monat AM STÜCK ist das Minimum- Alle weiteren Monate AM STÜCK kommen als Extra dazu. Nicht gelten würde sowas wie: ich trink nur jeden *zweiten* Tag was, dann lebe ich auch sechs Monate des Jahres alkoholfrei! Klar, oder? 😅). Vorerst sind an unserer Bar jedenfalls bloß noch Kindercocktails erhältlich. 

2.) gab es heute supertollen Gemüse-Linseneintopf mit Feldsalat und Minzjoghurt:

Vegetarisch, leicht, gesund.

3.) möchte Wolf bald nochmal fasten. Nachdem unsere gemeinsame Erfahrung damit so positiv war, werd ich wohl diese Runde auch wieder mitmachen… „Aber keine 21 Tage, oder so!“, meinte Wolf sofort, weil 21 Tage lose bei seiner Fastenplanung im Raum stehen. „Das ist mir sonst zu krass. Danach brauch ich ja eine Lupe für dich.“ 

Lassen wir außen vor, dass Fasten nichts an der eigentlichen Körpergröße verändert. 😆

Die Message kam an. Ich nehme ein Bisschen teil, bis Wolf „Stop“ sagt. Und nun mach ich mir ein Glas heiße Schokolade und gucke, ob noch Lachs im Kühlschrank ist. 

Bis ganz bald, haltet die Öhrchen steif und habt einen schönen Abend!

VVN

P.S.: Wenn ihr unsere (politischen) Beiträge teilen und weiterveröffentlichen möchtet, weil sie euch gefallen oder sie irgendwo Verständnis fördern könnten, dann tut das! Herzlichst gerne! Wir freuen uns. 😻

16 Kommentare zu „(Politik-)müde, aber gut umsorgt.

    1. Das letzte Drittel der Lebensmittelvergiftung hat sich gebessert, ja. 😅

      Diese Unterhaltung erinnert mich an: „Hey, wie geht es deiner Erkältung?“

      „Der Erkältung geht es prächtig, danke.“ 😒

      Aber im Ernst. Ich bin OK und stündlich OKer. Alles Liebe auch an euch! „Skin“ war wirklich ein… INTERESSANTER Film, übrigens. Herr Carax und ich sahen ihn zusammen im Kino, und Wolf und ich schauten ihn ein zweites Mal streamend daheim. Beide Male hat die Handlung etwas gemacht. Mhh. 🤔

      Bis ganz bald! VVN

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      1. Höhö, ja… „ah, der Erkältung geht‘s prächtig, und wie geht‘s dir?“ ist dann der typische Folgesatz danach ^^

        Äh ja, als „interessant“ hätte ich ihn jetzt auch eingestuft… Sagt dir „Kriegerin“ was? Das geht auch in die Richtung. Wobei der eher unter die Haut ging (ich verkneife mir mal alle Wortwitze…).. Muss man aber auch Kapazitäten für haben *grusel

        Bis bald!

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      2. Oh, „Kriegerin“ hab ich auch mehrmals gesehen und fand Alina Levshin darin krass beeindruckend. Außerdem waren viele Gewaltszenen leider! sehr authentisch, sage ich als PoC aus’m Nazidorf. 😒

        Größter Wermutstropfen an dem Film war für mich – ernsthaft! – dass die Tattoos darin so unglaublich schlecht aufgemalt waren. Alda. Sowas NERVT MICH. Das wäre besser gegangen. Aber insgesamt empfehle ich „Kriegerin“ ganz gern weiter. 🙂

        Kennt ihr „Oi! Warning“? Tüdelü! VVN

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      3. Ohja, das mit der Authentizität kann ich mir gut vorstellen… Örgs. (Ich verzichte mal aufs klassische „omg das tut mir so leid!!11“ und schicke Kalmare rüber, ja?)

        Das mit den Tattoos habe ich damals gar nicht bemerkt – war da aber auch 16 oder so und hab den Film seitdem nicht mehr geguckt xD

        Sagt mir nichts. Wird aber auf jeden Fall gegoogelt!

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  1. Erhol‘ Dich von all den Debatten gut. Das ist wirklich ein weites und noch zu beackerndes Feld. Und vielleicht gibt es da nicht nur eine einzige Methode, die anwendbar ist.

    Was links und blinde Flecken betrifft, fiel mir noch etwas jenseits von -ismus ein. Die links im Spektrum zu verortende Wohnungsbaugenossenschaft, bei der wir ganz früher gewohnt haben, hat bis in die 80er Jahre noch „Hauswart“ und „Blockwart“ gehabt. Davon, daß nur die Unterschrift des Mannes etwas galt, einmal abgesehen… Aber irgendwann landeten auch die in der Neuzeit 😉

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