Keine Sicherheit. Nirgends.

Die Insomnia hat mich erneut fröhlich im Griff und mit „Tagsüber schlafen“ ist es dann natürlich auch nicht wirklich was. Lediglich mit gepflegtem Siechen und am Schweregrad der eigenen Matschigkeit herumfeilen. 

„Hast du diese Nacht *wieder* nicht gepennt?“, erkundigte sich Wolf vorhin mit diesem Blick, den er manchmal hat: besorgt und gleichzeitig missbilligend gegenüber des Zustandes (= nicht mir). Öhm… NOPE. Wohingegen er phasenweise selig schlummernd auf mir lag und mir fast jede Bewegung unmöglich machte.

Weil das stark entzückend war, traute ich mich aber erst recht nicht, meine Position zu verändern, und wurde dadurch umso hellwacher, und… Ach. Ihr könnt jetzt raten, wer von den Dreien ich bin 😹:

Schläft *womöglich!* tagsüber.

Nun zum angekündigten Thema: Rassismus im Alltag, Teil II.  

Es gibt Sachen, die ich nicht vergesse. Zum Beispiel, wie ich plaudernd in einer Gruppe auf einem öffentlichen Platz stand, dabei etwas als „dekadent“ bezeichnete und mir eine ältere Dame im Vorbeilaufen zuzischte: „Weißt du überhaupt, was dieses Wort bedeutet?!“ 🐙

Auch, wie sich eine andere ältere Dame mit angewidertem Gesicht wieder von ihrem Sitzplatz in der U-Bahn erhob, kaum dass ich mich (= mit meinem adrettesten, gepflegtesten, unbedarftesten Selbst) neben sie setzte, und mich danach die nächsten zehn Minuten stehend und voller Ekel anstarrte. „Wir sind hier in Deutschland.“, durfte ich mir noch anhören, als ich aus der Bahn ausstieg. 

Oder, wie ich mich mit einem Freund in ein Lokal setzte, und der Kellner mir offen ins Gesicht sagte: „Für dich gibt’s hier nichts zum Essen.“, während die Gäste rechts und links von uns nur eine Minute vorher Burger und Chicken Wings serviert bekommen hatten. 

Und, wie verschiedenste Fremde – in Cliquen oder alleine – jäh anfingen, auf offener Straße mit hässlich ausgedachten Lauten hinter mir herzulaufen, weil jemand wie ich ja schließlich so redet, hahaha.💀

[Ich verstehe jeden Fußballer, der auf dem Feld in Tränen ausbricht und/oder ausrastet, wenn er von gegnerischen Fans mit Affenlauten bebrüllt wird. Was glaubt ihr, wie man sich bei alledem fühlt?]

Und *DANN* sind da noch die Angriffe aus purem Vernichtungswillen

Ich rede hier nicht davon, von fünf, sechs Mitschülern kollektiv in einer Ecke zusammengetreten zu werden: DAS passierte mir zwar auch öfters, aber dahinter stand zumindest keine Tötungsabsicht. 😒

Wovon ich spreche, ist, wie zwei Freunden und mir z.B. 2001 in der Vornacht zu einem lokalen Nazigroßaufmarsch aufgelauert wurde: von fünf Rechtsradikalen in einem Auto, mit lauter Musik und Alkohol, wartend am Waldesrand. 

Als wir uns mit unseren Fahrrädern näherten, starteten sie ihren Wagen und jagten uns hunderte Meter weit durch die – für sie zum Glück arg unwegsame – Feldmark, bis wir über einen kleinen Graben ins angrenzende Dorf entkommen konnten. Dort flüchteten wir uns auf ein fremdes Grundstück, schmissen unsere Räder in die Hecke und klingelten die Bewohner des Hauses wach, die uns fassungslos einließen.

Wir durften in deren Untergeschoss Schutz suchen und „unsere“ Leute anrufen, da von der ansässigen Polizei keine Hilfe zu erwarten war (= tausendmal erprobt). Währenddessen – wie die Ausschau haltende Familie uns berichtete – umrundeten die Nazis in ihrer Karre weiter im Schrittempo den Häuserblock: ganz klar weiter auf Abruf und weiter auf der Suche nach uns. 

Auch mein Grillplattenfreund, der – wie ich – zu den politisch linksgerichteten Jugendlichen in unserem Nazikaff gehörte, erzählte neulich nochmals: „Es ist eigentlich unglaublich, dass unsere israelische Austausch-Schülerin direkt miterleben musste, wie eine Truppe Nazis mit Tränengas, Baseballschlägern und Schlagstöcken zu uns in den Jugendraum eindringen wollte.

Die hatten so eine Zerstörungswut, die haben die Einrichtung und die Waschbecken draußen ja komplett zertrümmert. Wir wissen, was passiert wäre, hätten wir die Tür zu uns drinnen nicht so gut verbarrikadiert.“ 

[Den Angriff habe ich persönlich nicht miterlebt. Aber am Folgetag die zersplitterten Fenster, das Chaos und die Hakenkreuzgraffitis gesehen. Was die Polizei selbst danach tat? NICHTS.]

So etwas prägt, besonders wenn man zehn, elf, vierzehn Jahre alt ist und alle anderen Lebensbereiche genauso gewaltdurchzogen sind.

Und *DAS*, ihr Lieben, ist außerdem etwas, wogegen keine Heldenreise und keine noch so gute Therapie hilft (= falls es sie geben sollte 🙄).

Selbst wenn ich eine Superzeit habe, riesig Spaß bei der Arbeit, unglaublich viel Liebe im Privaten und das weltbeste Hilfesystem – oben Genanntes kann mir schlichtweg immer und überall wieder passieren, und wird zu den alten Verletzungen stumpf *neue* Verletzungen hinzufügen (= sofern ich es überlebe).

Aus allen anderen gewaltvollen Umgebungen konnte ich mich Schritt für Schritt herausarbeiten: aus meinem „Elternhaus“, aus meinen früheren Sportvereinen, aus der staatlichen Schule, aus dem miesen Kaff – aber dem alltäglichen Rassismus kann ich nicht entgehen. 

Die einzigen, davor geschützten Räume habe ich entweder ganz allein, im vertrauten Zweierrahmen mit Wolf (= bzw. mit einem anderen Freund m/w/d), oder in einer überschaubaren Privatpartykonstellation, in der mich jeder kennt, und mich demnach garantiert niemand fremdenfeindlich attackiert.

In sämtlichen anderen Lebenssituationen gibt es keine Sicherheit vor rassistischen Angriffen. Nirgends

Das möcht ich euch mit diesem Artikel sagen – damit ihr vielleicht noch besser nachempfinden könnt, was Rassismus und Fremdenhass bei Betroffenen anrichten. Man lebt in einem dauerhaften Kriegszustand, wird in ihn gesamtgesellschaftlich hineingezwungen. 

Im „harmlosesten“ Fall kommt nur eine diskriminierende Bemerkung, im schlimmsten Fall geht es ans Leben

Als wir damals (nach der gezielten Jagd auf uns) von den eigenen Leuten per Autokorso nach Hause eskortiert werden sollten, sagte die Frau, die uns glücklicherweise Unterschlupf gewährt hatte: „Das ist ja wie 1933.“ 

Es ist *wirklich* wie 1933.

Für People of Colour/Schwarze bis heute auf täglicher Basis. Für meine FreundInnen, für mich… Nur deshalb, weil wir existieren und atmen

VVN

P.S.: morgen, Dienstag und Mittwoch hat sich der Herr Carax für neue Blogeinträge reserviert. Deshalb werde ich sooo viel Zeit haben, um auf eure Zuschriften und Beiträge einzugehen. Das wird phänomenal. 🌞

50 Kommentare zu „Keine Sicherheit. Nirgends.

    1. Weißt du, liebe Sandra – ich bin immerhin froh, dass Beiträge wie diese hier so viel Anklang finden und doch einiges an Rückmeldung bekommen. 🙂

      Das lässt *irgendwie* hoffen, obwohl leider kein baldiges Ende rassistischer Gewaltverbrechen in Sicht ist.

      Danke dir für’s Lesen und Anteilnehmen: VVN

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  1. Du hast Recht, diese Erfahrungen kann dir keiner nehmen und auch nicht heilen und ja, leider hast du auch Recht damit, das solche Übergriffe immer wieder passieren können.
    Mich persönlich macht so etwas immer traurig, fassungslos und unglaublich wütend, weil ich es nicht verstehe. Überhaupt nicht.
    Ich verstehe auch nicht, das Menschen einfach nur zusehen, wenn sie Zeuge solcher Übergriffe werden. Hallo? Eingreifen und sei es nur, das Handy nehmen und Hilfe rufen!
    Aber vielleicht bin ich da zu einfach gestrickt … 🤔
    Mir ist es egal, welche Farbe der Mensch vor mir hat, es interessiert mich auch nicht, welcher Religion er angehört oder welche sexuelle Ausprägung er hat. Das einzige was mich interessiert, verhält er sich wie ein Arschloch, wird er von mir auch so behandelt. Punkt.
    Ich wünsch dir heute etwas Schlaf und schick mal ein paar bunte, schöne Träume 🍀
    Steffi

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    1. Danke für die guten Wünsche, liebe Steffi… Und ja, etwas Schlaf bekam ich sogar auch! 😊

      Traurig, fassungslos und unglaublich wütend bin ich über diesen Gesamtmisstand in unserer (Welt-)Gemeinschaft auch. Besonders eben, weil Millionen weitere Menschen und ich unser gesamtes bisheriges Leben mit dieser Art von dauerhafter Gewalt leben mussten – und kein Ende abzusehen ist, so sehr ich auf ein baldiges hoffe.

      Dass Leute nur zusehen, bzw. sich nicht solidarisieren, macht die Diskriminierungen und (körperlichen) Angriffe dann gefühlt doppelt schlimm. Genauer gesagt ist das: „Damit allein gelassen werden, selbst von angeblichen Freunden“ häufig sogar *noch* schmerzhafter als die hässlichen Worte, Gesten und Schläge, die man so abkriegt- 😟

      Die Mentalität, die du bezüglich netten Leuten und Arschlöchern hast, hab ich übrigens auch. 😇

      So. Ich freu mich auf deine 🦄-Bilder! VVN

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  2. Hi,
    und danke fürs Erzählen. Ich muss zugeben, selbst als Angehöriger einer Minderheit, gegen die von Nazis regelmäßig fleißig gehetzt wird, fällt es mir noch schwer, mir vorzustellen, wie man sich mit solchen Erfahrungen fühlen muss, besondes wenn man (evtl noch allein) unterwegs ist. Körperlich attackiert wurde ich zwar selbst auch schon, einschließlich als Jugendlicher von Wildfremden. Aber großenteils war das eben auf einem Niveau von „die wollen dich fertigmachen, nicht umbringen“ (in wenigstens einem Fall hat mein Gehirn das trotzdem als akut lebensbedrohlich eingestuft, mit Folgen bis heute, fast 12 Jahre später, aber das ist ein anderes Thema).
    Und glücklicherweise habe ich nie in einem derartigen Nazikaff gewohnt – kann ich als schwule Trans*-Person auch gut darauf verzichten. Ich wünschte jetzt, ich könnte behaupten, Hoffnungen zu haben, dass sich etwas bessert. Dafür seh ich aber einfach zu oft Polizeigewalt gegen alles, was nicht rechts genug ist, zunehmende Polizeigesetze dahingehend, Menschen ohne Grund einsperren zu dürfen, und im Gegenzug nettes Händchenhalten und symbolische Solidaritätsbekundungen unserer Exekutive, wenn IB, 3. Weg und Coronaleugner*innen Polonaise tanzen und lautstark die Inhaftierung von Drosten, Merkel, Lauterbach und überhaupt jedem fordern, der*die einen klitzekleinen Einwand dagegen bringt, Leute doch bitte endlich ohne Gegenmaßnahmen an Corona verrecken zu lassen.

    Was Hanau betrifft (und ich glaub nicht, dass ich das dir erklären muss, aber es lesen ja evtl noch andere mit): Davor war Halle. Davor war die Maaßen-Affäre. Davor (und z.T. ursächlich dafür) war Chemnitz. Irgendwann in dem Zeitraum war auch Lübcke. Davor war u.a., Sarrazin, AfD als wählbare Partei etc.
    Zu Halle hatte ich die Medienreaktionen in einem Podcast recht ausführlich kommentiert – Frau Kramp-Karrenbauer sprach damals von einem „Alarmzeichen“. Wenn man sich dagegen den Umgang von Polizei, Verwaltung und Justiz mit den Überlebenden von Hanau ansieht, kann man deutlichst attestieren: War zwar schon eine Untertreibung, die ihresgleichen suchte, immerhin waren 2 Menschen tot, und noch sehr viel mehr hätten sterben SOLLEN. Aber selbst in dieser maßlosen Untertreibung war die Einstufung als „Alarm“zeichen eben wieder mal nur das Übliche: Leere Worte.
    Eine Annegret Kramp-Karrenbauer weiß einfach zu gut, dass sie bequem neben den Leuten mit den 88-Symbolen und den Runentattoos in der Straßenbahn sitzen kann, ohne dass ihr etwas passieren wird, solange sie nichts sagt, was denen zu sehr gegen den Strich geht. Und solange das so ist, sehe ich nicht, was, wann und wieso sich ändern sollte.

    Sorry, schon wieder so’ne Wall of text. Vielleicht schreib ich doch mal wieder etwas auf meinem eigenen Blog dazu. Aber, nunja, den Podcast hatten damals so ca 2 Leute außer mir überhaupt angehört und das fand ich recht frustrierend. Sowas wollen Privilegierte nunmal alles einfach nicht wissen – selbst in dem Teil meiner Familie, zu der ich positive Kontakte habe, brauche ich davon nicht anfangen. Na, sie können sich’s ja leisten, es zu ignorieren. Selbst wenn es dann soweit ist, dass Übersehen nicht mehr funktioniert, brauchen sie zum Überleben nichts weiter tun als einfach.. ihren Mund halten.

    Ich wünsch dir aber trotz all dessen mal (wie noch einigen anderen Schlaflosen aus meinem virtuellen UmfeldI, dass du die Nacht zur Ruhe kommst. Bin selbst eher eine Eule, aber bei dir klingt’s ja dann schon mehr nach Fledermaus.. nur wenn der Tag zum Ausschlafen fehlt wird’s ja dann schon doof :p

    Liebe Grüße!

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    1. Heyhey, wenigstens mein Schlafdefizit wurde in der Zwischenzeit geringer, selbst wenn es der alltägliche Rassismus *nicht* wurde… Kleiner Spass am Abgrund. 🐙

      Ich glaube, für immens viele Menschen ist es schwer, sich vorzustellen, wie das tägliche Leben als Person on Colour/Schwarzer aussieht… Daher immer mal wieder solche Texte von mir. Und selbstredend könnte ich noch ganze Bücher mit meinen Rassismuserfahrungen füllen- 💀

      Neulich dachte ich mal genauer darüber nach: meine ersten konkreten Erinnerungen an erlebten Rassismus hab ich aus meinem 8. Lebensjahr. Realistisch ist, dass all solche Übergriffe (= ohne Arbeitsverbot und Pandemie, jetzt bin ich schließlich überwiegend drinnen) bis heute durchschnittlich *mindestens* zweimal die Woche geschehen würden – manchmal sogar bis zu viermal TÄGLICH: https://caraxvannuys.blog/2020/03/04/null-toleranz/ 🐙🐙🐙

      Nehmen wir also grob (!) 25 meiner Lebensjahre mit jeweils 52 Wochen, in denen eben immer etwa 2+ rassistische Bemerkungen/Beleidigungen/Fragen/Gewalthandlungen stattfanden, so ist *LOCKER* davon auszugehen, dass ich bereits 2600 solcher Erlebnisse mit mir herumtrage. Sicher sind’s aber mehr.

      Die ganz groß angelegten Angriffe wie die o.g. Hetzjagd stechen dabei natürlich heraus, letztlich schockiert dennoch die Gesamtmenge. Und wann immer niemand half (= meistens), wurde es emotional doppelt schlimm. 😟

      Und… All das inkludiert nun noch *nicht* die 17 Jahre häuslicher, emotionaler und sexualisierter Gewalt in meinem „Eltern“haus, den eindeutigen Missbrauch beim Sport, den ich zehn Jahre lang machte, die acht Jahre von institutionellem und rassistischem Mobbing an meinem Gymnasium, die ganzen Übergriffe wegen meines bisexuellen, nicht-binären Seins und meine frühkindlichen Traumata, die letztlich durch noch düstere Dinge kommen.

      Daher ratet mal, wie begeistert ich bin, wenn mir einer salopp zu „einfach nochmal Therapie“ rät. 🤔

      Unsere Gesellschaft muss sich ändern. Ich bin froh, dass ihr dabei mithelft, u.A. durch diesen „Wall of Text“. DANKE. Und ganz viel Mitfühlen wegen all der Gewalt, die ihr selbst alltäglich durchleiden müsst. 🌸

      VVN

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      1. Die Frage, die ich mir spontan und unreflektiert gerade stelle, ist folgende:

        Ist es immer Rassismus? gerade zu Schulzeit?
        Ichglaube, da wird hergenommen, wo immer eine Schwachstelle vermutet wird. Und NEIN das macht es nicht weniger schlimm und nicht weniger böse und verletzend und nicht weniger traumatisch.
        Aber gerade Kinder und Teenager sind böse und herzlos, man dürfte sie zum Mond senden, bis sie wieder Hirn benutzen und weniger *Hormone
        Aber es wird gemobbt, an was auch immer. Es ist egal, welche scheinbare Herkunft man hat, welche Farbe, welche Figur, welche Aussprache, welche Ausstrahlung, welche wasauchimmer.
        Es wird ein Schwachpunkt gefunden an dem man jemanden fertig machen kann.
        Und meistens ist es ja nicht nur einer.
        Reagiert man, haben sie erfolg aber versuch mal nicht zu reagieren… ha.
        Man hat verloren, egal wer oder was man ist. Wen eine Guppte Menschen oder Teens als Ziel auserkoren haben, der wird fertig gemacht ganz egal warum. Einfach nur weil das arme kleine Scheißwürste sind, die sich daran hochziehen und daran stärken, dass sie jemanden fertig machen.

        Nein, das macht nichts besser. Ist aber weniger zielgerichtet. Wobei die Dinge, die da mit der Hetzjagd beschrieben sind natürlich ein anderes Kaliber sind. Ich denke aber, dass du weißt, was ich meine und wo ich einen Unterschied sehe, der aber dennoch kaum etwas besser macht.

        Nicht alles kann man auf wahren Rassismus zurückführen, glaube ich, hoffe ich. Aber dennoch auf die „Arschigkeit des Seins“
        Hauptsache besser fühlen, hauptsache stärker.
        Und ja auch das ist Gewalt. Bitte denk bloß nicht, ich will das kleiner reden.
        Ich denke nur laut…..

        Ich wünschte nichts davon würde in dieser Welt je geschehen.

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      2. Hej, zum erneuten Male und: gar keine unreflektierte Frage, und auch eine sehr berechtigte- 😇

        „Ist es immer Rassismus? gerade zu Schulzeit?“

        Aaalso. Ich versteh euren Punkt in Gänze! Denn: ja, es WIRD leider, leider „gemobbt an was auch immer, und ein Schwachpunkt gefunden an dem man jemanden fertig machen kann“. Überall, in jeder Schule, bei sämtlichen Kindern und Jugendlichen, die in *irgendeiner* Form anders erscheinen… Bei euch hat’s ja u.A. die Feli erlebt und das ist so schrecklich- 😟

        Daher ist es *definitiv!* nicht immer Rassismus…

        In meinem Fall jedoch kann ich euch z.B. von einer Situation erzählen, die bei mir in der fünften Klasse – wir waren zehn Jahre alt – vorgefallen ist: einer meiner Mitschüler, dunkle Augen, dunkles Haar, getönte Haut, so wie bei mir, wurde in einer großen Pause von unseren Klassenkameraden auf die Toilette gezerrt.

        Dort haben sie ihm, und ich wiederhole: WIR WAREN ZEHN!, mit Edding *Hakenkreuze* auf die Haut gemalt, wo sie nur konnten. Weil es eben ein Nazikaff war, mit Nazieltern und Nazilehrern.

        Wär ich damals nicht trainierter/schneller/unter dem Schutz Älterer gewesen, wäre mir sowas mit Edding und Schulklo ganz klar ebenfalls passiert. So durfte ich mir nur anhören, dass ich mich doch einfach prostituieren sollte, wie’s „meine leibliche Mutter aus der Dritten Welt sicher auch getan hat“. Und dergleichen. Alles eindeutiger Rassismus. 🐙

        Dass ich auch wegen meiner sehr guten Noten, meiner übersprungenen Klasse, meines Kleidungsstils und meines Verhaltens auf Grund der Gewalt daheim gemobbt wurde, addierte und vermischte sich da unglücklicherweise. Doch kann ich zweifelsohne bestätigen, dass Rassismus der Hauptgrund war – in jener Gegend. 💀

        Alles, alles Liebe nochmal! VVN

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      3. Assoziation: Lockt der Boden auch zum Toben, kleine Affen bleiben oben.
        Oder monkey see monkey do…

        Was für ein verkacktes pissnest! Eltern die nix im Hirn haben und nix besseres zu tun als ihre scheiß Ansichten in die Kinder zu pflanzen.

        Es tut mir leid, dass du da reingeraten bist. In das Nest voll mit regenwurmhirnen……

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  3. Ich verstehe es immer und immer weniger.
    Ich bin ja selten in der ,,Welt,, da draußen unterwegs, bekomme so was selten mit. Würde mich aber immer schützend auf die Seite der Attakierten stellen und habe es auch früher mehrfach getan.
    Es macht einen wirklich fassungslos……
    Und es tut mir von Herzen leid. 😽

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    1. Ach, ihr Lieben. Ich würd mich auch jederzeit schützend an eure Seite stellen. Nicht, weil ihr nicht dazu in der Lage seid, euch selbst zu verteidigen – das seid ihr! 🙂 – sondern, weil die Welt schon scheiße genug ist. Besser, man hält untereinander umso mehr zusammen. 😻

      Bis später. VVN

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  4. Der Fehler ist, dass VIELE denken, das sind doch nur WENIGE, ein paar Idioten, die so fremdenfeindlich auftreten. Aber für die Betroffenen wie dich ist jeder einzelne abschätzige Blick, jedes fiese Wort so schmerzhaft, (von tätlichen Übergriffen gar nicht zu sprechen) und es summiert sich, und es sind eben nicht mehr „die paar Idioten“. Deshalb fühlst du dich nie wirklich sicher oder gar wohl im öffentlichen Raum. Das ist schrecklich und ein Armutszeugnis für die Gesellschaft, die diesen Zustand toleriert. Danke, dass du davon schreibst!
    Liebe Grüße von Anke

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    1. Hallo nochmals, liebe Anke! 🌸

      „schrecklich und ein Armutszeugnis für die Gesellschaft, die diesen Zustand toleriert“ unterschreibe ich in dem Wortlaut sofort. 😟

      Und du hast Recht: das Schlimme summiert sich bloß, es wird nicht „leichter“. Gewöhnen tut man sich nie daran, also: *ich* werde das sicher nie tun. Zumal ich mich an diese Zustände nicht gewöhnen mag! Ich will vielmehr helfen, sie zu ändern.

      Danke dir für deine Worte! 😊

      VVN

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  5. Grob, einfach nur grob! Ich wurde zwar als Kind und Jugendlicher auch ein paar hundert Male von Mitschülern verdroschen – aber wenn ich mir zusätzlich vorstelle, dass da obendrauf noch rassistische Demütigungen gekommen wären plus ein Haufen Dauerangst – kaum vorzustellen! 😔Höchsten Respekt für jeden, der das halbwegs überstehen konnte! Und danke, dass Du diese schlimmen Erinnerungen hier mit uns teilst! 👍

    Bist Du eigentlich im Osten aufgewachsen? Wenn ich mir die Erzählungen vieler Bekannter in Erinnerung rufe, muss es dort sogar noch etwas schlimmer als im Westen gewesen sein, weil es da gleich nach der Wende erschreckend viele Glatzen gab… Aber natürlich gab es Rassismus auch während meiner Jugend in einer westdeutschen Großstadt: Kaum einer wollte was mit den türkischen Kindern zu tun haben und den Inder in der Klasse nannten sie ungeniert „Brauner“. Wir waren gute Kumpels und ich oft dort.

    Irgendwann ab den mittleren Nullerjahren wurde es „gefühlt“ etwas weniger mit dem direkt mitbekommenem Rassismus im Alltag – lag eventuell aber auch nur an meinem Umfeld im künstlerisch-kulturellen Sektor und daran, dass ich jetzt in großen Metropolen wohnte… Aber allmählich scheint es wieder schlimmer zu werden – meiner Meinung nach liegt das auch an der erstarkenden AfD! 🤬

    Jedenfalls alles Gute Dir und Danke fürs Teilen der schrecklichen Erlebnisse! Es lohnt sich für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der wir alle nur Menschen sind. Und die Unterschiede völlig unwichtig geworden… 🙂

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    1. Und hier sind wir wieder…

      Tut mir leid, dass du so viel Gewalt von Seiten deiner Mitschüler erleben musstest- Wie bist du damit umgegangen, half man dir? 😟

      Ich bin nicht im Osten aufgewachsen, nein. Dafür in einem vom Verfassungsschutz nicht minder beobachteten *Landidyill* voller Nazis und Kameradschaften im Umland. 😒

      Das hier: „Irgendwann ab den mittleren Nullerjahren wurde es ‚gefühlt‘ etwas weniger mit dem direkt mitbekommenem Rassismus im Alltag… Aber allmählich scheint es wieder schlimmer zu werden – meiner Meinung nach liegt das auch an der erstarkenden AfD!“ sagen übrigens Viele, auch mein lieber Mitblogger Herr Carax… *ICH* kann das natürlich nicht bestätigen, aus meiner Perspektive war’s grundsätzlich alltäglich mies- 🤔

      Aber ich versteh, was ihr meint und gebe insofern Recht, dass es auf salonfähiger und hoher politischer Ebene *AUF JEDEN FALL* eine drastische Entwicklung zum Schlimmeren gab (= und weiterhin gibt). Trotz des erfreulichen Ausgangs der letzten US-Wahlen.

      Also… Zusammen weiterkämpfen! 🙂

      VVN

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      1. Damals half mir leider keiner, weil ich mich aus falscher Beschämung und von den Mobbenden eingeschüchtert, jahrelang nicht an Lehrer oder die Eltern wandte… Ich habe Zuflucht in meinen Büchern gesucht und wurde auf Jahre zum Einzelgänger. Aber die Zeit heilt alle Wunden (zumindest soweit, dass man wieder halbwegs „funktioniert“ als Mensch) – aber ich will nicht jammern, zumal Dein Schicksal noch härter war!

        Ja, auch im Westen gab und gibt es leider ziemlich rechte Landstriche, mir fällt da etwa die Gegend um Augustdorf und Oerlinghausen in Ostwestfalen ein – da trainieren sogar heimlich rechte Milizen! 😱

        Ja, der Kampf gegen Extremismus bleibt unbedingt ein nötiger! Ich sehe da neben der besonders gefährlichen rechten aber insgesamt gleich drei Fronten: Auch am äußersten linken Rand des Spektrums wird der Ton immer aggressiver und RAF-ähnlicher und dann haben wir ja noch die religiösen Fundamentalisten, die auch auf unsere liberale Gesellschaft scheißen… Wachsam bleiben!

        LG, h.

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      2. Tut mir leid, dass dir das passiert ist und du so allein damit sein musstest- Und du jammerst auch nicht, finde ich. Sowas ist einfach schlimm, und das nicht vergessen zu können, völlig verständlich! 🙂

        Ganz liebe erneute Grüße! VVN

        P.S.: religiöse Fanatiker und Linke, die so links sind, dass sie rechts wieder rausgucken, braucht logischerweise auch kein Mensch. 🐙

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  6. What??? I had no idea it was like this in Germany! You have written about racism yet this is the first time I have heard/read your accounts of actual attacks. This is absolutely horrible. I thought we were stupid/racist in the US but I’ve never seen attacks like this. And the police too? May we all be delivered from this kind of hate and violence.

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    1. Hey there! 😀

      Yesss, unfortunately it is *definitely* horrible in Germany… It’s GERMANY after all, and the influence of Hitlers ideology and the Third Reich is still very present, even in our modern society- Trump didn’t help, of course- Therefore I have been living with these (verbal and physical) attacks all my life, *almost* never getting help from anybody- And yeah, racism runs deep in our police structure, as well.

      Let’s hope and fight for change: and a better world. Take care and thank you for your words, time and solidarity. 😊🌞🌸

      VVN

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  7. “Das ist ja wie 1933.” – ja. Immer noch.
    Einer der größten “Mythen” der deutschen Geschichte ist vermutlich das Dings mit der Entnazifizierung…

    Ich weiß nicht, was ich zu deinen Erzählungen sagen soll, weil das alles so banal wirkt… Weißt du? (“Gestern hat wer versucht mich umzubringen.” – “Aww, das tut mir leid!!”)
    Ich wünschte, es wäre nicht so – “es”, also: Menschen, die so sind, Menschen, die dabei zusehen, Menschen, die wegschauen, und was dann alles insgesamt dazu führt, dass da eben keine Sicherheit ist.

    Und um ehrlich zu sein, dachte ich bisher unbewusst (und sehr naiv), zumindest in der Gruppe wäre man im öffentlichen Raum irgendwie “sicher” vor -manchen- Dingen… Nicht allen, aber einem Teil? obwohl (!) ich gleichzeitig als (weiße) Person Erfahrungen habe, die dem widersprechen, weil /queer bla blubb. Bekloppt. So nach dem Motto… “so schlimm kanndarf es doch nicht sein, wir schieben das jetzt woanders hin, lülülü, draußen ist sicher, heititei”.
    Aber nee, aber gar nicht.

    Ganz viel Kalmar. Und Lachs. ❤

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    1. Richtig, „das DINGS mit der Entnazifizierung“: 😅 😒

      Hierzu: „um ehrlich zu sein, dachte ich bisher unbewusst (und sehr naiv), zumindest in der Gruppe wäre man im öffentlichen Raum irgendwie ’sicher‘ vor -manchen- Dingen…“ möchte ich gern auf meinen Antwortkommentar an Robert Shivran/“Shiverrania“ weiter oben verweisen – sicherlich sind die richtig drastischen Gewaltangriffe in der Anzahl seltener, zumal ich dem Dorf lange entflohen bin- 😆

      Aber auch zu mehreren unterwegs zu sein, ist erfahrungsgemäß leider nie Garantie für Sicherheit… Und am Ende macht’s dann die Menge der Übergriffe: die große, *große* Menge.

      Ah. Liebsten Dank für 🐙🐙🐙 und Mental-Lachs. Ich schick euch mal eine Tafel Schokolade und neues „Koawach“-Gedöns rüber! 🌞

      Bis bald! VVN

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  8. Erstaunlich… Dein Blogeintrag lieber Valentin, wurde mir nicht im Reader angezeigt. Höchst erstaunlich…

    Nun aber zum eigentlichen. Scheiß auf Deutschland. Im Grunde macht es ja Spaß in diesem Land zu leben, weil ja eine relative Sicherheit herrscht. ABER… eben nicht für alle. Und diese Mehr ´heit schaut dann gerne weg, um ihr Sicherheitsempfinden zu Lasten der – hoffentlich – wenigen (aber immer zu viele) leben und empfinden zu könne. Der Fehler steckt eindeutig im System, das Alltagsrassismus und die ganze menschenverachtende zumeist rechte Kacke zulässt. Diese seit hunderten von Jahren praktizierte Grundhaltung ist auch dafür verantwortlich, dass in „schöner“ Regelmäßigkeit dieser Menschenverachtende Hass seinen Weg in die Politik findet, zuletzt in Form von Pegida, AfD, Wutbürger*innen und Querdenker*innen. Was ist dieses politische System wert, wenn es all das „sehenden Auges“ zulässt. Ist der Mensch an sich doch schlecht und böse? Immer in diesen Momenten, muss ich auch darüber nachdenken, ob es so klug von mir war Kinder in diese Welt zu setzen…

    …aber lieber Valentin, eigentlich fehlen mir die Worte dafür was Dir widerfahren ist und Dir vermutlich noch widerfahren wird. Ich schäme mich einfach für den Homo Sapiens… 😦

    Gefällt 2 Personen

    1. Lieber Flo, dass WP echt… Charakter hat, sage ich mal vorsichtig, macht sich doch immer wieder bemerkbar. Schön, dass du trotzdem hergefunden hast! 😉

      In allem, was du geschrieben hast, stimme ich dir zu. Zumal ich weiß, wie das „Scheiß auf Deutschland“ gemeint war. Natürlich leben wir hier unfassbar gut, und natürlich leben wir hier auch grundsätzlich *GERNE* (= und nun hab ich diesen unsäglichen Wahlslogan genutzt 😒).

      Aber „Deutschland“ steht bei diesem Ausruf ja schlicht für sämtliches (mit der deutschen Idee verknüpfte) nationalsozialistische Gedankengut, und nicht für unseren heutigen Staat mit seiner Verfassung, daher: jup!

      Leute wie wir müssen einfach täglich gegen dieses überall noch tief verankerte Gedankengut angehen, aktiv in Wort und Tat… Wie vermittelst du das denn eigentlich deinen Kindern? 🙂

      Eine gute Nacht wünscht dir: VVN

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      1. Hm… Meine Kinder sind noch recht klein. Aber als meine Tochter 4 Jahre alt war, war sie bereits bei ihrer ersten Demo gegen die AfD. Gedenktage, wie bspw. zur Reichspogromnacht erklären wir jedes Jahr aufs Neue mit einem Besuch der hiesigen Synagoge… Ansonsten eigentlich immer mit einem Gespräch bei passenden Gelegenheiten… Vermutlich ist ihr Bruder nächstes Jahr kognitiv so weit… 🙂
        Ebenfalls Dir eine gute Nacht – hoffentlich mit ausreichend Schlaf!

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