Keine großen Sprünge und keine Vergebung für TäterInnen.

Wo soll ich anfangen. Am besten bei der Zeitumstellung.

Wie gesagt, ich bin kein Gegner des Konzepts, aber trotzdem jedes Jahr auf’s Neue irritiert davon (= meine innere Uhr mag es nicht, und meine barkeepende Nachtarbeiterseele genausowenig). Hrr. Aber da müssen wir durch, Leute, wie durch alles Andere auch. Zum Beispiel durch die PandemieGOTTVERDAMMTNOCHMAL

Die kürzlich von Wolf erworbenen Corona-Selbsttests sind und bleiben daher eine – allein für die Psyche! – großartige Anschaffung. Denn was wäre sogar noch blöder, als selbst an Covid-19 zu erkranken? Richtig. Geliebte Menschen damit anzustecken. 😱

Nicht, dass wir nun plötzlich große Veränderungen an unserem Handeln vornehmen würden und große Sprünge machen dürften. Nicht mit mir, so als bisher ungeimpfter (Mehrfach-)Risikopatient, jippie. Aber das schiere Wissen, dass wir EXTREM WAHRSCHEINLICH kein Covid-19 mit uns herumtragen, und unsere paar Gäste ebenfalls nicht, hilft bereits immens.

So. Videosupport. Zu lange nichts dergleichen geposted, oder (= um den Gronkh zu zitieren): „Ich wollte zu viel und gab zu wenig“. Njaaa. 🙄

Zunächst zu folgendem Luni-Siebenminüter über Vergebung:

JAWOLL! 😻

Es brennt mir schon lange auf der Seele, dazu dieses: „JAWOLL! 😻“ öffentlich und in Großbuchstaben zu sagen. Persönlich denke und fühle ich deckungsgleich. Wem es  hilft, seinen Tätern und/oder Täterinnen zu vergeben, den unterstütz ich dabei, keine Frage. Menschen funktionieren und *sind*, glücklicherweise, unterschiedlich.

Aber mir ist das mit der TäterInnen-Vergebung nix. So kein Stück- (!)

Dass ich dieses Jahr mein neunjähriges Totalkontaktabbruchsjubiläum zu meinen missbräuchlich-gewalttätigen Pflege“eltern“ (= plus Umfeld) feiern kann, ist ein verflucht grandioses Gefühl.

„Man braucht nicht zu verzeihen.“, schrieb ich bereits vergangenen Sommer an dieser Stelle: mit einigem rigorosen Zuspruch eurerseits.

„Aber es sind doch deine (Pflege-)Eltern, tun sie dir nicht zumindest etwas leid?“

NEIN, TUN SIE NICHT. 💀

Und ich überlege sehr stark, wieso der Fokus bei jeder Person, die mich das jemals fragte, nicht auf MIR lag, sondern auf diesen gewalttätigen, gestörten Irren.

Eventuell, weil unsere Gesellschaft *an sich* nahezu reflexartig darauf anspringt, dass Familie ja heilig ist und somit beieinander gehalten werden muss, und dass ältere, „einsame“ Leute grundsätzlich zu bemitleiden sind, und dass aktiver Täterschutz bis zum heutigen Tage von Justiz, (sozialen) Medien, etc. mitgetragen wird wie nur was. Man möchte brechen. 🐙🐙🐰🐙🐙🐰🐙🐙🐙

„Wenn deine Pflege-‚Eltern‘ tot sind, V., dann machen wir auf deren Gräbern eine Flasche Dom Pérignon auf!“, meinte Wolf jüngst, der auch diesbezüglich 100%ig hinter mir steht. „Das waren keine Eltern. Niemals.“

(Ich liebe den Mann. Kein Scheiß. 💖)

Überhaupt: Familie ist dort, wo man beschützt, gesehen und bedingungslos geliebt wird! Und Blutsverwandtschaft hat *damit* in vielen Fällen leider gar nichts zu tun. Dass in Deutschland durchschnittlich drei Kinder pro Woche durch ihre Eltern – oder weitere enge Verwandte – gewaltsam zu Tode kommen, und circa 200 000+ Kinder in diesem exakten Rahmen über Jahre hinweg misshandelt werden, wisst ihr ja.

Drei getötete Kinder. Pro Woche. Und wenn man das reine Glück hatte, in einem derartig gewaltvollen „Zuhause“ nicht *AUCH* umgebracht worden zu sein, dann muss man eben nichts verzeihen. Dann darf man mit Fug und Recht hart auf die TäterInnen und deren Befinden scheißen, und sich endlich um sich selbst kümmern. KLAR SOWEIT?! 😡

Okay.

Außerdem mag ich euch das aktuellste Luni-Video vorstellen:

Weitere Videos der Lunis findet ihr auf ihrem YouTube-Channel und den Blog der Lunis hier. Vielleicht habt ihr an diesem kalten Sonntagabend ja wieder einmal Zeit zum Rein- und Anschauen. Mit heißem Kakao, Kaffee oder Tee auf der gemütlichen Couch.

Bis Dienstag, ihr Lieben – morgen ist Herr Carax für euch online und erzählt euch was von Selbstliebe und Softeis. Denke ich. Hihi! 🐻🐱

VVN

P.S.: Antworten auf eure Kommentare werden langsam, langsam eintrudeln. Keine Sorge.

P.P.S: warum steht ein Pils im Wald?

WEIL DIE TANNEN ZAPFEN

25 Kommentare zu „Keine großen Sprünge und keine Vergebung für TäterInnen.

  1. Haben grad voll den Instinkt mal zu antworten, machen wir ja voll selten hier, aber lesen immer bei euch… Sind voll deiner Meinung wegen der Sache der Vergebung, sowas ist hier leider nicht im Angebot nicht heut und nicht in hundert Jahren, die sollen verrotten… Haben leider keine kalmare zum schmeißen aber dafür in Gedanken… Gott hoffen jetzt nicht das es zu wirr war.. Lg

    Gefällt 3 Personen

  2. Och, Vergebung und verzeihen gehört dahin, wo ICH mich mit gut fühle.
    Von daher … Volles Verständnis für dich und deine Aussage.
    Ebenso bedenklich, wie von dir angeführt der ewige „Täterschutz“. Der Täter muss nicht geschützt werden, warum? Weil er eine schlechte Kindheit hatte? Selbst Gewalt erfahren hat?
    Klar, sowas rechtfertigt immer alles. Ist doch zum kotzen.
    Bäh … Themenwechsel.

    Hab einen schönen Abend 🍀

    Gefällt 5 Personen

    1. Danke, liebe Steffi, für dein Verständnis auf ganzer Linie. 😊

      Ich würde mir ja wünschen, dass viel, viiiel mehr auf Gewalt- und Missbrauchsprävention (!) gesetzt werden würde. Bislang geben durchschnittlich leider 80% aller Menschen, die in ihrer Kindheit Gewalt erfahren mussten, diese Gewalt als erlerntes Verhaltensmuster an ihre Kinder weiter. 😱

      Um diese Spiralen zu unterbrechen, bräuchte es massig gesellschaftliches Umdenken, viel stärkere Sicherheitsnetze für Kinder und einen viel größeren Fokus auf das Kindswohl, weg von der „nach Außen hin heilen“ Familie als höchste, anstrebenswerteste Instanz. Uach.

      Ich, äh, wünsch dir EBENFALLS EINEN SCHÖNEN ABEND- Sonst schreib ich einen Kommentarroman. 😹

      VVN

      Gefällt 2 Personen

      1. Da sagst du was … 🙈
        Ein Thema, das nicht nur heikel, sondern auch eben emotional besetzt ist.
        Dazu noch eine Komplexität aufweist, die einen den Kopf rauchen lässt.

        Aber für heute kein Thema, zu schwere Kost.

        P.S. Kein Dank von nöten. Ich sehe es halt genau wie Du und all die anderen Opfer, die sich rechtfertigen und erklären sollen. Nein! Ich als Opfer egal welcher Straftat oder Mißbrauchs muss mich nicht erklären!
        Fühl dich mal gedrückt.

        Gefällt 2 Personen

    1. Es gibt seit neuestem auch fleischfressende Zombiehäschen: 🐰🐰🐰

      Die verstehen sich hervorragend mit den herzigen 🐙, und sind gern in Gruppen unterwegs. Insofern DANKESCHÖN, liebe Sandra! 😻

      Genieße deinen Urlaub! VVN

      P.S.: Wolf! 💖💖💖

      Gefällt 3 Personen

  3. Auch ohne das Video gesehen zu haben: ich denke, verzeihen oder vergeben ist immer eine Frage des Einzelfalls. Und wenn Du es weder kannst noch willst (noch soltest), so ist das doch okay. (Hatte ich wahrscheinlich letztes Jahr auch schon geschrieben…)
    Alles, wo ein „-wohl“ am Ende steht, ist mit größter Vorsicht zu genießen, habe ich erfahren.

    Schönen Abend und beste Grüße!

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich musste echt kurz *DENKEN*, lieber 2 x B, wegen der Aussage mit dem: „-wohl“. Aber du meinst sowas wie Kinds-wohl und Allgemein-wohl, korrekt?! 😉

      Ansonsten… Niemand sollte sich zum Vergeben genötigt fühlen, (auch) darum geht es im Video. Und mein Weg ist das offenkundig absolut nicht. Ich denke, manche Straftaten sind unverzeihlich. 🐙

      Alles Liebe dir, und komm gut in die Woche! VVN

      Gefällt 1 Person

  4. Ich bin ebenfalls froh, den Kontakt mit meinen Eltern/Bruder abgebrochen zu haben, nach alldem, was so in meiner Kindheit und Jugend vorgefallen ist. Der einzige Blutsverwandte, zudem ich noch Kontakt halte, ist ein Onkel von mir.
    Ja, für uns beide sind sie die Besten, Philipp und Wolf. ❤
    Guten Wochenstart und alles Liebe.🤗

    Gefällt 3 Personen

  5. Ich glaube, dem ersten, den man verzeihen sollte (wenn überhaupt), ist man selbst – dafür, daß man sich beschissen fühlt. Die Täter werden vermutlich nicht um Verzeihung bitten.
    Wenn man es geschafft hat, sich selbst am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, in den einen andere hineingestoßen haben, dann kann man weitersehen.
    👍🍀💚

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja- Betreffs der „Eigenvergebung“ bin ich völlig bei dir, lieber Ankor! Ich verstehe das generell als positive Akzeptanz des aktuellen Standes. So: „OK, es geht mir wegen XYZ dreckig, aber das ist in Ordnung so. Ich darf traurig, verzweifelt und scheiße wütend sein.“ 🙂

      Immerhin wurde einem von Anderen oft genug das Fühlen verboten. Da ist es umso wichtiger, es sich selbst zu erlauben.

      Erneute sonnige Montagsgrüße! 🌸

      VVN

      Gefällt 1 Person

  6. Ich verstehe Dich nur allzu gut, obwohl ich mit meinen Eltern echt Glück hatte – bei mir waren es dafür drei hochgradig verhaltensgestört sadistische, bösartige Mitschüler – vom Kindergarten an bis zum Ende der Mittelstufe… Wenn ich denen heute nochmals begegnen würde: Ohne mit der Wimper zu zucken 🔪💣🔫🪓
    Vergebung wird überbewertet! Ist doch auch so ein Katholiken-Gedöns – und wer missbrauchte am ausgiebigsten? Eben! 💯🐙
    Solidarische Grüße und weiter so! Solange in Dir ein Feuer brennt, ist der Ofen wenigstens nicht aus… 😉👍

    Gefällt 2 Personen

    1. Und ich verstehe sehr, dass du deinen ehemaligen Mitschülern sonstwas an den Hals wünschst, lieber h.! Solche Erinnerungen begleiten einen ja leider durch das gesamte restliche Leben- 😟

      Genau wie du sagst, ist es überhaupt nicht nötig, solchen Personen zu vergeben. Spätestens in der Mittelstufe hätten sie es begreifen müssen… 🐙🐰💀

      Selber: „Weiter so!“ VVN

      P.S.: der Spruch mit dem Ofen gefällt mir.

      Gefällt 2 Personen

  7. Ich denke, Vergebung funktioniert nur, wenn der andere Part einsieht, dass er falsch gelegen hat. Aber das Schlimme ist ja, dass unter der Prämisse „ich will doch nur dein Bestes“ gehandelt wird. Es ist DAS Totschlagargument schlechthin. Damit bekommt das Kind immer Ballast an die Seele gehängt.
    Wenn dann noch die sogenannte Familie als heilig hingestellt wird – baaah neee – da bekomm ich Gänsehaut.
    Das erinnert mich an eine Szene aus dem Film „das weiße Band“; das geht sinngemäß:
    – du weißt, warum ich dich schlagen muss, mein Sohn?
    – ja Vater, weil du mich liebst …

    Einen guten Start in die Woche wünscht
    Sabine vom 🕷 🕸

    Gefällt 2 Personen

    1. „Das TOTSCHLAGargument“, liebe Sabine?! Das ist ja fast wie das: „GEWÜRGE in der Kirche“! 😹😹😹

      Ich stimme dir inhaltlich natürlich zu 100% zu. Und „Das weiße Band“ war ein krasser Film. Nur einmal gesehen, aber bis heute erinnere ich mich äußerst genau daran. 😱

      Machs gut, auch nochmal an dieser Stelle! VVN

      Gefällt 2 Personen

  8. Hallo Valentin,
    in der Bibel steht „Gedenke das du Vater und Mutter ehrest“. Und „Sparst du mit der Rute, verdirbst du nur dein Kind“
    Das steckt wohl noch tief in den Köpfen der Bevölkerung drin.
    Schade – wir haben das Jahr 2021 und die Kirchenvertreter kleiden sich nicht nur noch immer wie im Mittelalter 😱
    Ich wünsche dir einen schönen Montag.
    Liebe Grüße 😘
    Monika

    Gefällt 2 Personen

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